Politisches Panoptikum - DER SPIEGEL
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ITALIEN Politisches Panoptikum

• aus DER SPIEGEL 9/2006
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Mit einem T-Shirt als Banner zieht die Lega Nord in den Wahl- und Kulturenkampf. Nach dem Rücktritt seines Reformministers Roberto Calderoli wegen Mohammed-Karikaturen auf der Unterwäsche möchte Lega-Chef Umberto Bossi nun erst recht mit islamfeindlichen Slogans Stimmen bei der Parlamentswahl gewinnen. »Je mehr wir über den Islam reden, desto höher steigen wir in den Umfragen«, heißt es aus der Parteiführung. Sieben Wochen vor der Wahl für Abgeordnetenkammer und Senat bietet die Aufstellung der Listen ohnehin eine bunte politische Menagerie. Auf Sizilien kämpft eine Hohenstaufer-Prinzessin um ihr altes Königreich, und in Rom werden die Neo-Kommunisten von dem Transsexuellen Luxuria angeführt. Premierminister Silvio Berlusconi schloss sogar ein Bündnis mit den Ultrarechten um Alessandra Mussolini. Bossi lobte den Sizilien-Autonomisten Raffaele Lombardo als »braven Kerl« und besiegelte das Wahlbündnis aller Feinde des Zentralstaats in Nord und Süd. Bei den Christdemokraten wiederum steht nahezu die halbe Partei in Sizilien unter Mafiaverdacht, einschließlich mehrerer Kandidaten: »Wir hätten uns um die Unterstützung vieler ehrenwerter Köpfe gebracht«, die sich später als unschuldig erweisen könnten, rechtfertigte Parteisekretär Lorenzo Cesa die Wahltaktik. Im Lager der Mitte-links-Union von Romano Prodi machen die Unnachgiebigen inzwischen mehr Schlagzeilen als das mühsam zusammengepuzzelte 281-Seiten-Wahlprogramm. Der Trotzkist Francesco Caruso äußerte Sympathien für den irakischen Widerstand. Und Fausto Bertinotti, charismatischer Chef der »Rifondazione Comunista«, verkündete entgegen allen Absprachen das Ende für den Brückenbau bei Messina und die umstrittene Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke durchs Susa-Tal im Piemont.

Dennoch liegt bislang Prodis Bündnis mit 51 Prozent vorn - ein Umstand, der von Ministerpräsident Berlusconi ("Ich bin der Jesus Christus der Politik, ich opfere mich für alle") als Komplott linker Meinungsforscher abgetan wird.

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