POUJADISMUS - DER SPIEGEL
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Briefe

POUJADISMUS
• aus DER SPIEGEL 5/1956
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POUJADISMUS

In Frankreich schätzt man das geistige Kapital des Steuer-Rebellen von Saint Ceré nicht hoch ein. Es wird bezweifeit, daß er sich lange als der maßgebliche Mann des Poujadismus behauptet. Statt dessen richten sich viele Blicke auf den jungen Juristen Le Pen, der in Paris als Poujadist in die Kammer gewählt wurde und angeblich von dem Ehrgeiz beseelt ist, Fraktionschef der radikalen Einzelhändler und Handwerksmeister zu werden. Der gut aussehende, intellektuell begabte Le Pen gilt als Verfechter imperialistischer Gedanken und später Jünger der »Action francaise«, jener rechtsradikalen Royalisten und Ständestaatler, die ihren stärksten Einfluß während des Krieges in der Umgebung Marschall Petains ausübten. Gegenüber den überseeischen Gebieten Frankreichs soll Le Pen für eine Politik der festen Hand eintreten. Seine politische Chance wird auch deshalb recht hoch veranschlagt, weil Poujade selbst außerhalb des Parlamentes geblieben ist - wie einst Hitler. Zumindest bietet sich Le Pen so die Möglichkeit, sich in der eigentlichen politischen Arena Frankreichs zu profilieren.

Kiel WALTER KLINKERT

Wichtiger als das auf Massenfang bedachte faschistische Brimborium ist wohl die Tatsache, daß Poujade in seinem geheimen Generalstab Männer sitzen hat, die dank ihrer politischen Schulung als sein »Braintrust« anzusprechen sind. So arbeiten für ihn u.a. Claude Jeantet, der ehemalige, nach dem Krieg zu Zwangsarbeit verurteilte Chefredakteur des"Petit Parisien«, ferner Camille Fegy, Ex-Chefredakteur der »Gerbe«, und Maurice Lebrun, der frühere Chefredakteur der Doriot-Zeitung »L'Emancipation nationale«.

Paris CLAUDE VAVIER

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