PREIS-RINGEN - DER SPIEGEL
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Briefe

PREIS-RINGEN
• aus DER SPIEGEL 34/1964
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

PREIS-RINGEN

Zerstücklen!

Überlingen (Bodensee) HEINER ACKERMANN

Daß unser Postminister Stücklen ausgerechnet die Fernsprechgebühren erhöhen ließ, sollte uns doch nicht überraschen, wo wir doch so viele Ab-Höcherl-Schwarzhörer haben, die keine Gebühren bezahlen. Irgendwoher muß doch das Geld für die Unkosten kommen.

Gladbeck (Westf.) ALWIN SYNNBERG

Die erneute Erhöhung der Postgebühren ist ein weiterer Schritt zur galoppierenden Inflation.

Kiel FRANZ DENNER

Da wird doch eindeutig gegen den Willen des Volkes gearbeitet. Man verschone uns doch endlich mit dem längst abgewerteten Wort: Alle Gewalt geht vom Volke aus.

Augsburg MICHAEL HOFSTETTER

Übrigens, was macht Herr Erhard eigentlich, wenn infolge EWG-Getreidepreisvereinbarung (sprich: Erhöhung) das Brot teurer wird? Soll man dann auch (laut von Hase) Konsumeinschränkung üben?

Aschaffenburg DIETER MÖLLER

Ich würde vorschlagen, die Post und auch die Bahn in Aktiengesellschaften umzuwandeln und nicht von Beamten, sondern von Kaufleuten verwalten zu lassen. Über die dann in den Bilanzen ausgewiesenen Gewinne der Monopolgesellschaften würden alle staunen (denken Sie bitte auch an den Wegfall des Bundespostministeriums).

Burgsteinfurt (Ndrh.-Westf.) H.-U. WOLFF

Wenn es mir persönlich auch lieber gewesen wäre, dreißig Pfennige für diesen Brief an Sie zu zahlen und dafür im Nachttarif für dasselbe Geld und genauso lange wie bisher mit meiner Verlobten zu telephonieren, muß ich Ihnen jedoch für Ihren Bericht meinen Dank sagen. Es war wohltuend in dieser Hysterie, der fast alle verfielen, ihren objektiven Bericht zu lesen.

Freiburg PETER REIMERING

Würde sich ein freiwirtschaftliches Unternehmen, welches ähnlich der Bundespost völlig konkurrenzlos in seiner Branche arbeitet, infolge seiner Macht solch eine Taktlosigkeit erlauben, hätte es schon längst den lautesten Protest hervorgerufen. Dieser Protest käme wohl nicht allein aus dem Kreise der Kunden dieses Unternehmens, o nein. Auch die Herren Maßhalter von Bonn hätten sofort Alarm geschlagen.

Eibelstadt (Bayern) BERNHARD AMLING JUN.

Was Herr Stücklen vor zwei Jahren mit seinen Rationalisierungsmaßnahmen anrichtete, geht für die Post ins Geld, bringt dem Postkunden aber nur Nachteile. Auf einen solchen Posten gehört ein organisatorisch begabter Mensch und kein Beamter oder sympathischer Parteibuchinhaber, denn dieser sieht in seinem behördlich gepflegten Garten kein Unkraut, weil dieses auch dort schön in Reih und Glied steht.

Aistaig (Neckar) JOSEF SCHMIEDER

Armer deutscher Steuerzahler, du wirst deinen Wohlstand noch teuer bezahlen müssen in diesem herrlichen, oppositionslosen Bonner Staat, der Maßhalten predigt und mit den Geldern umgeht, als würden sie auf der Straße liegen.

Reutlingen MARTIN SCHANZ

Bei der Telephongebührendebatte am 29. Juli 1964 haben wieder einmal die Herren Minister der FDP, wie schon so oft, in anerkennenswerter Weise ihre Standfestigkeit bewiesen. Der Dank des Staatsbürgers sei ihnen gewiß. Am Rande wären da noch all die unbedeutenden Pharisäer zu würdigen, die als sogenannte Volksvertreter vor der Öffentlichkeit lauthals protestieren, in den Parlamentssitzungen aber entweder den Mund gar nicht aufkriegen oder zu allem ja und amen sagen. Sollte man nicht durch die Einsparung dieser Vertreter, die der Demokratie nicht den geringsten Nutzen bringen, mit dem »Maßhalten« beginnen?

Farchant (Bayern) CHRISTOPH FAULHABER

Man wird zweifellos überwiegend trotz der Gebührenerhöhung nicht auf das Telephon verzichten wollen. Dafür wird sich aber der innere Widerstand gegen die nur mit Lippenbekenntnissen auf-. wartenden CDU-Oberen mählich und mählich erhöhen, bis die Anzahl der Dümmlichen (Landbevölkerung, alte Kirchengänger, die den. Löwenanteil an CDU-Stimmen bringen, ganz zu schweigen von der politisch unmündigen Weiblichkeit) nicht mehr ausreicht, um

die bisherige Regierungskoalition zu halten.

Düsseldorf HANS-JÜRGEN RATHLEIN

Dieser Stücklen ist auch nie um eine Ausrede verlegen: Vor einem Jahr verschob er den Beginn des Nachttarifs von sieben auf neun Uhr abends, weil niemandem damit gedient sei, wenn ab sieben die Leitungen überlastet seien. Jetzt beschwert er sich, daß die Weitverkehrsnetze »total verstopft« sind - ab neun Uhr abends. Wenn er wirklich nur aus »betrieblichen« Gründen den Nachttarif verteuern würde, könnte er ebensogut den Nachttarif-Beginn vorverlegen.

München ELISABETH BEHM

Es wird niemand behaupten können, daß die Behörden und die Industrie hauptsächlich nachts telefonieren. Zweifellos steht somit fest, daß die 150 Prozent Nachtgebühren-Erhöhung weitgehend privaten Postkunden aufgebürdet werden.

Berlin GEORG DAVIDOFF

»Soziale Marktwirtschaft« umfaßt zweierlei: einmal die freie unternehmerische Initiative, zum anderen regelnde staatliche Eingriffe zum Wohl des Ganzen. In der Praxis sieht es dann so aus: Dem Unternehmer wird durch das Kartellverbot von vornherein anti-soziales Verhalten unterstellt, der Staat rechtfertigt eigene Monopolstellungen aus finanzpolitischen Gründen. Bestes Beispiel die Bundespost: Telephongebühren werden erhöht, obwohl in Europa ohnehin die zweithöchsten.

Berlin LUTZ PETERS

Handelt es sich bei der Erhöhung der Telephongebühren durch die Bundespost nur um eine temporäre Maßnahme, die lediglich dazu dienen soll, eine defizitäre »Durststrecke« solange-durchzustehen, bis durch Maßnahmen der Sanierung und Rationalisierung jenes Postdefizit beseitigt ist, oder handelt es sich bei der Telephongebührenerhöhung um etwas Endgültiges, welches beibehalten wird, gleich, wie in Zukunft die Betriebs- und Finanzrechnungen der Bundespost aussehen?

Trossingen (Bad.-Württ.) HERBERT KIEHN

Daß Defizite abgedeckt werden müssen, ist eine kaufmännische Binsenwahrheit. Die Frage ist lediglich: »Wie?«

Nach kaufmännischen Grundsätzen, die auch für staatliche Monopolbetriebe gelten sollten, müssen in einem Verbundbetrieb diejenigen Disziplinen preislich aufgestockt werden, durch die die Verluste entstanden sind. Im Falle »Post« wären das: Telegraphie, Postreisedienst, Postscheckdienst und Postdienst. Will man das nicht, dann müssen solche Disziplinen in einer Marktwirtschaft, soweit sie in Konkurrenz zu privaten Einrichtungen stehen, abgestoßen werden. Eine gerade noch tragbare Lösung wäre ein Kompromiß gewesen, indem man aus politischen Gründen, für die ich Verständnis habe, alle Disziplinen mäßig angehoben hätte. Es ist bedauerlich, daß der »Aufsichtsrat« des Kabinetts, nämlich der Bundestag, nicht eine solche Lösung durch seine Sprecher vertreten hat. Jetzt wird also - abgesehen von den sozial Schwachen - ausgerechnet derjenige Teil der Wirtschaft und der freien Berufe belastet, dem die Steuerreform von 1965 - wenn sie überhaupt kommt - zugute kommen soll. An eine Preissteigerung, wie sie Erler im Auftrage der Gewerkschaften androhte, glaube ich nicht. Wieder einmal, wie beim Kindergeld, bleibt die Belastung im wesentlichen beim Mittelstand hängen.

Die Minister waren, das gebe ich zu, an ihren eigenen, unklugen Kabinettsbeschluß gebunden. Die vier FDP-Minister hätten sich aber wie Minister Scheel mit ihren Akten ebenfalls einschließen lassen sollen. Das hätte zwar am zweiten Abstimmungsergebnis nichts geändert (dann 197 zu 194), wohl aber dem eindeutigen Willen der FDP-Fraktion mit

entsprechender Wirkung in der Öffentlichkeit entsprochen. Die Umfallmeldungen der Gazetten (mit Ausnahme der blamierten »Bild«-Zeitung) wären dann diesmal eindeutig zu Lasten des »Gesundbeters« Franz-Josef Strauß gegangen.

Bedauerlich auch, daß für den Antrag der FDP keine namentliche Abstimmung beantragt wurde. Dann wären vielleicht noch genügend Abgeordnete aus ihren Kaninchenlöchern aufgeschreckt, um den moralischen Erfolg der Suspendierung bis zum Votum der Sachverständigenkommission zu sichern.

Hamburg WILLY MAX RADEMACHER

FDP-MdB

Stammt Ihre Weisheit, daß 350 000 Bundesbürger sechs bis neun Monate warten müssen, um einen Telephonanschluß zu bekommen, aus dem Bundespostministerium? Ich habe seit dem 15. Mai 1962, also vor zweieinviertel Jahren einen Telephonanschluß beantragt und werde von der Oberpostdirektion Freiberg auf »voraussichtlich 1965« vertröstet.

Dettighofen (B.-Württ.) WALTER BRODKORB

Nie ist eine Sondersitzung des Bundestages zustande gekommen, um beispielsweise die Ostpolitik Adenauers zu debattieren; obwohl im Grundgesetz bekanntlich etwas von Wiedervereinigung, hingegen nichts vom Telephon steht. Hoffentlich werden spätere Geschichtsforscher diesen Klamauk nicht als Meilenstein auf dem Wege des Scheiterns dieser Demokratie ansehen müssen.

Bederkesa (Nieders.) DIETER KOOPMANN

Wegen der Telephongebühren die Abgeordneten aus den Ferien geholt zu haben, wird als Schildbürgerstreich der SPD in die Geschichte eingehen. Fürwahr, es gab im Laufe der Legislaturperiode Ereignisse von so weltpolitischem Rang, daß der Bundestag hätte aus dem Schlaf getrommelt werden müssen. Wo aber steckten da die Weckrufer der SPD?

Huckeswagen (Nrdrh.-Westf.) E. DITTRICH

Hat man das Gefühl für Maßstäbe verloren? Wo blieb die Sondersitzung nach Errichtung der Mauer, oder wo bleibt die klärende Aussprache über die bedrohliche Entwicklung unserer Außenpolitik, die nicht nur die Gebührenopfer, sondern das ganze deutsche Volk angeht?

Koblenz H. MENZE

Ihre satte Überheblichkeit, die in der Hausmitteilung zum Ausdruck kommt, beweist, daß der SPIEGEL zu teuer ist, da man wie jeder Neureiche nicht auf den Pfennig zu achten braucht. Ihre Einstellung ist weder volkswirtschaftlich noch währungspolitisch verständlich. Es wäre an der Zeit, daß der SPIEGEL sich selbst einmal einen Spiegel vorhält und nicht so protzt.

Lippstadt (Westf.) JOSEF GRABNER

Interessant ist, daß alle drei Redaktions-Volkswirte mit simplen, schwarzen Telephonen fernsprechen müssen, während Diplom-Volkswirt Werner Bolz von der Betriebswirtschaftlichen Abteilung des Verlages ein schmuckes weißes Telephon benutzen darf. Gibt es etwa auch beim SPIEGEL so etwas wie eine Hierarchie?

Rheinhausen WOLFGANG STEINERT

Simplicissimus

Die öffentliche Hand

Telephon-Titel

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