PREISE DER LEBENDEN
Zu Ihrem Interview mit Dr. Preusker darf ich bemerken, daß Ihr Gesprächspartner, wenngleich Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Haus- und Grundbesitzer, eine recht unrealistische Vorstellung vom Geschäftsgeist seiner Verbandsgenossen hat. Seiner Behauptung, daß die Quadratmetermiete der zwischen 1918 und 1948 gebauten Wohnungen 80 Pfennig bis 1 Mark betrage, möchte ich entgegenstellen, daß ich für eine Wohnung dieser Kategorie (Baujahr um 1930) 1,70 Mark pro Quadratmeter zu zahlen habe. Es spricht nichts dafür, daß es sich hier um eine Ausnahme handelt.
Hamburg 20 DR. BERGER
»Ich bin kein Prophet«, meint Dr. Preusker und hat anscheinend schon wieder seine Amtsantrittsprophetie vergessen, mit der er 1953 der aufhorchenden Masse der Wohnungsuchenden versprach, in vier Jahren sei die Wohnungsnot beseitigt. Wie dankbar wären sie ihm gewesen, die kinderreichen Familien, die Evakuierten, die Flüchtlinge, die jungen Eheleute, die in Notwohnungen und in Lagern untergebrachten Normalverbraucher von Wohnraum, wenn Dr. Preusker durch sachliche und vernünftige Förderung des öffentlichen Wohnungsbaus wenigstens annähernd sein Scherflein zur Einlösung seines Antrittsversprechens beigetragen hätte. Hingegen bescherten Dr. Preusker und sein Ministerium dem Staatsbürger das I. Bundesmietengesetz mit Mieterhöhungen, ohne Rücksicht auf den Wohnwert, und das II. Wohnungsbaugesetz, das wie ein Grabgesang auf den sozialen Wohnungsbau anmutet.
Mainz-Gonsenheim HEINZ P. BREHM
Ein großer Teil der Mieter des sozialen Wohnungsbaus hat nicht mehr das Recht, auf Kosten des Steuerzahlers, also auch auf Kosten des mit den staatlich geförderten Wohnungsunternehmungen konkurrierenden Althausbesitzers, Subventionen zu empfangen. Das Beispiel des Professors Hallstein, der bei einem Gehalt von 3645 Mark und einem Wohnungsgeld von 200 Mark eine Wohnung für 52 Mark hat, steht nicht allein.
Solingen HANS PETER HEPPNER
Dr. Preusker entstellt die Wahrheit, wenn er behauptet, die Aufhebung des Mieterschutzes für Geschäftsräume habe nur 300 Prozesse zur Folge gehabt anstatt der vorausgesagten 300 000. Tatsache ist, daß Tausende, vielleicht Hunderttausende kleiner Geschäftsleute und Handwerker das Opfer eines wüsten Managertums im Geschäftsraumsektor geworden sind. Kündigungen aus reiner Schikane, Rachsucht, Neid sind heute an der Tagesordnung, ebenso wie die Steigerung der Mieten bis auf das Fünffache der Friedensmiete und mehr. Die Zahl der Prozesse ist völlig bedeutungslos als Beweismaterial, weil es für den Geschäftsraummieter keine Prozeßmöglichkeit gibt, mit der er sich gegen den Eigentumsmißbrauch schützen könnte. Er ist dem Vermieter auf Gnade und Ungnade ausgeliefert ...
Hamburg-Billstedt H. C. BREMER
Das glaubt Herr Dr. Preusker doch selbst nicht, daß zu großen Altbauwohnungen nach Beendigung der Wohnraumbewirtschaftung wieder die kinderreiche Familie Zugang finden würde. Er müßte doch die Hausbesitzer und ihre Einstellung zu Kindern (natürlich zu Kindern der Mieter) kennen ...
Kassel FRITZLUDWIG GÄRTNER
In der Politik hat Dr. Preusker Schiffbruch erlitten. Nun setzt er sich für die notleidenden organisierten Hausbesitzer ein und fordert die Aufhebung der gesetzlichen Kontrolle bei einem so knappen Gut wie Wohnungen. Der Mietwucher, der schon jetzt ungeahnte Ausmaße angenommen hat, soll also unerträglich werden. Will Dr. Preusker die Tore für soziale Spannungen weit aufstoßen? Wohnungen sind lebenswichtig - das scheint der ehemalige Bundeswohnungsbauminister zu negieren.
Münster ALWIN STECKER