PREISSTOPP - DER SPIEGEL
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Briefe

PREISSTOPP
• aus DER SPIEGEL 40/1962
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PREISSTOPP

In seiner wöchentlichen Betrachtung zum deutschen Fernsehprogramm richtete Ihr Telemann einen Zusatzscheinwerfer auf den Torso-Mercedes, der seit Wochen in der Sendereihe »Freie Fahrt«, dem Volk der Denker und Dichter deutsche Länder und entsprechendes Kulturgut erschließend, imaginär durch die Studios des Bayrischen Rundfunks braust. Und da in den ersten vier Folgen das Knabengesicht des Freiburger Jungphilologen Frank Hausdorf das Gesicht meines Sohnes war, komme ich nicht umhin, von mir aus einige Ergänzungen zu machen.

Herr Telemann erwähnte den lebenden Beweis »des ungern geschaffenen Zusammenhanglosen«, hervorgerufen durch die Pfiffigkeit der Münchner Quiz-Gestalter. Weiß Herr Telemann, daß der Kandidat der »Freien Fahrt« in Heinz Maegerleins Sendung »Hätten Sie's gewußt?« in seinen drei

durchgestandenen

Folgen mit zu den Besten zählte, die diese Sendereihe sah?

Wie wäre wohl erst die Meinung von Herrn Telemann, wüßte er, daß die aus diesem Spiel gewonnene und vielleicht Millionen von Zuschauern genannte 15tägige Flugreise nach Capri, Amalfi, Ischia mit einem Gesamtbetrag von 500 Mark »abgegolten« sein soll?

Selbst der, der die »Freie Fahrt« nicht miterlebt hat, müßte nun im Zusammenhang mit dem SPIEGEL feststellen, daß der »Unterhaltungs-Oberst« Sauer sauer geworden sein muß, weil der Verschleiß des Solo-Kandidaten nicht eintraf, denn auch Telemann wußte nur, wie das Knabengesicht durch den Gewinn des Kleinwagens aus dem Bilde zu schaffen war. Unbekannt wie allen Fernsehzuschauern blieb ihm, daß dem Kandidaten die vor der Kamera überreichten Wagenschlüssel nach Abblenden der Scheinwerfer wieder entzogen wurden, weil sich der Bayrische Rundfunk noch nicht über den Gewinn klar war und noch mit der Herausgabe des dem Volke gezeigten DKW oder eines Goggomobils rang.

Telemann erwähnt das teure Geld, das für die rätselhafte Deutschlandreise dem geistigen Ideenhändler gezahlt wurde, spricht von der Konserve des belgischen Regisseurs, vergißt aber anzuführen, daß dieser Regisseur auch noch in den Münchner Studios bei den Aufnahmen die Leitung haben mußte, weil wohl ohne diesen Regisseur die ganze Sendung ein großer Pfusch geworden wäre. Geld hin, Geld her, das Geld würde am Kandidaten eingespart. Vergessen sei auch nicht die Masse, die immer zahlt. Edelmann und Knabe waren nur ein Opfer des Spiels. Merke: Das Rindvieh spürt nicht mehr die Fessel, liegt es gehäutet erst im Kessel.

Rastatt (Baden)

HERMANN H. HAUSDORF

Frank Hausdorf

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