Presse am Pranger - DER SPIEGEL
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UNGARN Presse am Pranger

• aus DER SPIEGEL 4/2002
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Je näher die Parlamentswahl am 7. April rückt, desto weniger zaudert das Lager des regierenden Bundes Junger Demokraten um Premier Viktor Orbán bei der Wahl seiner Mittel zum Machterhalt. In der Aufmachung einem Fahndungsbefehl nicht unähnlich, stellte das regierungsnahe Blatt »Magyar Nemzet« zehn Auslandskorrespondenten öffentlich an den Pranger - mit Namen, Arbeitgeber und einem Quotienten, der pro Autor die Zahl negativer Erwähnungen Ungarns akribisch mit den positiven verrechnet. Der von einer anonymen, dem Büro des Ministerpräsidenten zugerechneten »Kontrollgruppe« gezeichnete Artikel ist vorläufiger Höhepunkt im Kampf um die Meinungshoheit. Bereits im November präsentierte Ministerpräsident Orbán, der bei der Mehrheitsbeschaffung immer wieder auf die Partei des Rechtspopulisten István Csurka angewiesen ist, im Parlament eine Aufstellung ihm missliebiger Kritiker und der Medien, in denen sie publizieren. Auch die renommierten Schriftsteller István Eörsi und Miklós Haraszti fanden sich derart diffamiert. Inzwischen besteht die Spitze der Kontrollgremien im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Rundfunk ausschließlich aus Parteigängern der Regierung. Und selbst populäre Journalisten können sich ihres Jobs keineswegs mehr sicher sein: Ohne nähere Begründung wurde jetzt der beliebte Rundfunkmoderator György Bolgár vom Mikrofon verbannt.

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