PRESSEDIENST - DER SPIEGEL
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Briefe

PRESSEDIENST
• aus DER SPIEGEL 4/1969
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PRESSEDIENST

(Nr. 51/1968, Aktion Demokratischer Fortschritt)

Wie kann ich mir meine eigene Meinung zu den Ereignissen in der CSSR »eine Woche nach dem 21. August in der Residenz des Sowjetbotschafters« gebildet haben, wenn sie bereits am 21. August klipp und klar im Pressedienst der DFU zu lesen war? Die von Ihnen zitierte Presse-Erklärung stand in keinem Zusammenhang mit meinem Besuch in der Sowjetbotschaft, sondern war eine Reaktion auf Alexander Dubceks Aussage vom 1. September, wonach es die »wichtigste Aufgabe« der Prager Regierung sei, »das Vertrauen der Sowjet-Union zurückzugewinnen«. Übrigens habe ich mir jederzeit meine Meinung zu Ereignissen (auch in Böhmen) selbst gebildet. So war die Austreibung der Deutschen Anlaß, daß ich genau vor 20 Jahren zusammen mit Ministerpräsident Erhard beim amerikanischen Statthalter in Bayern, van Wagoner, erscheinen mußte, weil ich im Landtag als Abgeordneter gesagt hatte: »Die Austreibung der Deutschen gehört in die Kriminalakten und nicht in die Geschichtsbücher.« Das wagte sich damals, als es noch Sinn hatte, kein Berufsflüchtling zu sagen. Heute ist das Kapitel abgeschlossen. Aber das Wirtschaftsdebakel, das die CSSR jetzt erwischt hat, steht im Zusammenhang damit, denn alle Schuld rächt sich auf Erden. Da ich als Antinazi nie die kollektive Verantwortung aller Deutschen für Hitlers Verbrechen angezweifelt habe, bin ich der Meinung, daß die Tschechen und besonders alle Mitglieder und Funktionäre der KPC über ihre Mitverantwortung am Desaster ihres Landes nachdenken sollten. Kleinkönigsdorf (Nrdrh.-Westf.) ARNO BEHRISCH

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