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Computer Printer und Plotter

West-Berliner Privatleute wollen ostdeutsche Schüler und Studenten kostenlos ins Computer-Zeitalter heben - mit ausgemusterter Technik aus dem Westen.
• aus DER SPIEGEL 6/1990
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jahrelang wurde jeder Flug in die Sonne, den Urlauber beim West-Berliner Reiseunternehmer Peter Unger buchten, in den grauen »Riesenschrank« (Unger) eingegeben. Der Apparat, Herz der firmeneigenen Rechenanlage, reichte aus »für 60 000 Passagiere« und speicherte den 30-Millionen-Umsatz mit der DDR-Gesellschaft Interflug ebenso wie die Daten des umfangreichen West-Fluggeschäftes.

Schließlich jedoch wurde der Computer, bei anhaltendem Reiseboom, für den Betrieb zu klein. Unger stieg um auf die nächste Generation und veranlaßte eine »ordentliche Schlußwartung« des weithin abgeschriebenen, einst 550 000 Mark teuren Altgerätes. Der Kasten kam verplombt in die Ecke.

Nun wird die Plombe wieder gelöst - für ein gutes Werk: Rechner und Software sollen künftig DDR-Nutzern der Technischen Universität Magdeburg zur Verfügung stehen - eine Art »Gnadenbrot« für den Computer, wie Unger witzelt, doch für die »Kameraden drüben sicherlich ein großer Schritt«.

Die »gute Idee« bewog auch den Berliner Makler Willi Bendzko spontan zur Hingabe seines gerade ausgemusterten Equipments. Die mit Drucker und Platteneinheiten komplette Anlage vom Typ IBM 38, Neupreis rund 800 000 Mark, Verkaufswert noch an die 40 000 Mark, ließ er sich von Spenden-Akquisiteuren beim vorweihnachtlichen Gänsebraten abluchsen. Die Anlage, vom Zustand her »praktisch neuwertig« (Bendzko), soll nunmehr im Rechenzentrum der Martin-Luther-Universität Halle helfen, die Ost-Studenten aus der technologischen Steinzeit ins Computer-Zeitalter zu heben.

Die beiden Firmenchefs folgten, wie bislang schon fünf Dutzend weiterer Hilfswilliger, dem Appell einer Berliner Privatinitiative, den Bildungseinrichtungen in der DDR auf dem Gebiet der angewandten Informatik Entwicklungshilfe zu leisten.

Inzwischen macht die Idee bundesweit Schule. Unternehmen wie der Telefonkonzern DeTeWe lassen ihre Abstellkammern nach brauchbaren Rechen-Apparaten durchforsten.

Die deutsch-deutsche Caritas-Aktion »Computerhilfe« hat gleich zwei Vorzüge. Sie hebt das menschenfreundliche Ansehen westdeutscher Unternehmer. Der PR-erfahrene Bildungsminister Jürgen Möllemann hat bereits die Schirmherrschaft übernommen und preist das Unternehmen als Beitrag zum Abbau deutsch-deutscher Chancen-Ungleichheit: »Ich finde es gut, daß da eine Privatinitiative Lücken füllt, ohne auf staatliche Bedarfsanalysen zu warten.«

Die Spender kostet ihre Gabe zudem wenig. Im Westen steht die ausgediente, aber funktionstüchtige Computerware, vom Personalcomputer, Drucker, Terminal bis zur Original-Software und den dazugehörigen Handbüchern, oftmals nur noch mit einem Restwert in der Bilanz, ihre Abgabe in die DDR ist mithin leicht zu verschmerzen. Im Osten dagegen können Oberschüler und Studenten mit Hilfe der Spenden ihren Nachholbedarf an »der schnellen technologischen Entwicklung« (Möllemann) befriedigen - eine Art Computer-Recycling.

Das braucht die DDR dringend. Computer sind an den ostdeutschen Schulen und Universitäten bislang mangels Masse weitgehend unbekannt; selbst Taschenrechner, mit denen im Westen Viertkläßler locker hantieren, gehören in den DDR-Lehranstalten noch immer zum Luxus. Fachleute schätzen den Bedarf an Personalcomputern und EDV-Anlagen allein im Ost-Bildungswesen auf weit über 10 000 Stück.

Als EDV-Wohltäter zeichnet ein Branchenfremder. Der Berliner Roland R. Vogel, 45, ein Grundstücks-Sachverständiger, grübelte anläßlich der anhaltenden Ausreisewelle von DDR-Bürgern »seit langem über Konzepte, wie den Menschen drüben Perspektive zu vermitteln« sei. Mit Bekannten und Geschäftsfreunden, darunter ein Musikprofessor und ein ehemaliger CDU-Bezirksbürgermeister, gründete er schließlich den laut Satzung »selbstlosen« Computer-Hilfsverein und beantragte beim Finanzamt Gemeinnützigkeit.

Das Know-how im Vorstand bringen derzeit, erklärtermaßen »ohne jegliches kommerzielles Interesse«, zwei Geschäftsführer eines EDV-Organisations- und Beratungsunternehmens ein. Ein Sachverständiger für Computer überprüft die einzelnen Spenden unentgeltlich auf Funktionstüchtigkeit.

Dreimal pro Woche reist im Auftrag des DDR-Bildungsministeriums ein Experte aus Ost-Berlin an, der die Verteilung der Computer-Gaben regelt und den Direkt-Kontakt zwischen Spendern und Empfängern herstellt. Ein Großteil der Hoch- und Oberschulen hat sich auf die Warteliste des Vereins setzen lassen.

Die Karl-Marx-Universität Leipzig etwa bittet »um Bereitstellung von ein bis zwei grafikfähigen IBM-kompatiblen Computern mit Printer/Plotter für das Technikum Analytikum der Sektion Chemie«. Die benachbarte Technische Hochschule meldet einen Bedarf von 65 zusätzlichen »16-bit-PC mit Festplatte, Grafik-Display, 5,25 - Laufwerk, mind. 512 K, Drucker«.

Die Dresdner Hochschule für Verkehrswesen »Friedrich List« orderte acht bis zehn Computer »der 16 Bit-Generation«, mit deren Hilfe sie »durch umfangreiche Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen« die »vorhandenen Lücken« schließen möchte.

Diverse Oberschulen des mathematisch-technischen Zweigs wären schon für ein Erstgerät »zur kreativitätsfördernden selbständigen Beschäftigung unserer Schüler mit der Informatik« dankbar, wie der Direktor der Erweiterten Oberschule »Heinrich Hertz« in Ost-Berlin, eines Spezialinstituts zur Förderung Hochbegabter, wissen ließ. Die Hertz-Schüler sind inzwischen im Besitz eines PC »Apple II«.

Die Bürokratie in Ost wie West, sonst häufig genug Hemmschuh deutsch-deutscher Nachbarschaftshilfe, mag bei dem Computer-Transfer nicht Spielverderber sein: DDR-Behörden sehen großzügig über strenge Zollvorschriften hinweg, ihre BRD-Kollegen setzen im Gegenzug hinderliche Embargo-Paragraphen außer Kraft.

Vereinsförderer Möllemann hofft, daß soviel Kulanz die Spendenbereitschaft der Bundesdeutschen fördert, denn: »Praktische Hilfe zählt oft mehr als manche lange, wenn auch konstruktive Rede an runden oder eckigen Tischen.«

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