Prinzip Hoffnung - DER SPIEGEL
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USA Prinzip Hoffnung

Barack Obama und Mike Huckabee, die Sieger von Iowa, versprechen dem Land Einigkeit und einen Neuanfang - kurz: ein besseres Amerika.
• aus DER SPIEGEL 2/2008
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In dem Augenblick, in dem Barack Obama, 46, weiß, dass er die Vorwahl von Iowa gewonnen hat, schickt er Trommler in die Hy-Vee-Halle im Zentrum der Landeshauptstadt Des Moines. Sie sollen kräftig Stimmung machen, bevor er seine Siegesrede hält.

Es ist ein Experiment - und es ist riskant: Im annähernd blütenweißen Agrarstaat Iowa sind nur wenige in der Lage, zu afrikanischen Rhythmen zu tanzen, aber der Saal tanzt. Auf den Bildschirmen über der Bühne wird gerade die Rede von Hillary Clinton übertragen. Man sieht sie, aber man hört sie nicht mehr.

Der Abend gehört Barack Obama. Zumindest für ein paar Tage ist er der neue Favorit. »Man hat uns gesagt, dass dieser Tag nie kommen wird«, triumphiert er. Aber nun hat Obama, der Newcomer, seiner Gegnerin eine Niederlage beigebracht. 38 Prozent der Stimmen gingen an ihn, weitere 30 Prozent bekam Senator John Edwards und nur 29 Prozent Hillary Clinton. Platz drei ist ein herber Schlag für die ehemalige First Lady, die sich so gern als unbesiegbar dargestellt hatte.

Die Vorwahl von Iowa war ein klares Votum für den Wandel. Amerikas Wähler suchen nach dem Kandidaten, der größtmögliche Veränderung verspricht. Sie wollen den Bruch mit der Ära von George W. Bush, 70 Prozent der Bürger glauben, dass sich das Land in die falsche Richtung bewegt. Sie wollen der Welt ein anderes Amerika präsentieren, ein freundlicheres.

Die Hoffnung auf einen Neuanfang hat vor allem mehr Demokraten und unabhängige Wähler in die Wahllokale gelockt, fast doppelt so viele wie beim letzten Mal. Auch die Republikaner waren zahlreicher als sonst. Auch sie wollen etwas Neues, konnten bislang aber nur wenig überzeugende Bewerber präsentieren.

Vor zehn Wochen kannte noch kaum jemand den Baptistenprediger Mike Huckabee, 52, aus Arkansas. Er war ein Politiker mit Charme, aber ohne Geld. Statt mit einem professionellen Wahlkampfteam zog er mit seinen drei Hunden durch Iowa, dennoch deklassierte er nun die Konkurrenz mit 34 Prozent der Stimmen. Den Mormonen und Geschäftsmann Mitt Romney ließ er mit 25 Prozent hinter sich.

Obama und Huckabee sind selten einer Meinung, aber was sie eint, ist das Versprechen, eine andere Art Politik zu machen, weniger ideologisch, weniger hinterhältig, dafür aber mit innerer Überzeugung. »Es sind neue Gesichter«, sagt Christopher Hull, Professor an der Georgetown University und Experte für die Vorwahlen in Iowa. »Sie sind nicht beschmutzt durch politische Kämpfe und polarisieren nicht.«

Beide lieben große, unschuldige Sätze, die an das Harmoniebedürfnis der Amerikaner appellieren. »Wir sind keine Ansammlung von roten - republikanischen - und blauen - demokratischen - Staaten. Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika«, sagt Obama. Bei Huckabee hört sich das kaum anders an. »Was wir gesehen haben, ist ein neuer Tag in der amerikanischen Politik«, verheißt er seinen Anhängern nach der Wahl. »Wandel bedeutet, die Amerikaner wieder zu vereinen.«

Der Sieg in Iowa macht Huckabee und Obama zu ernstzunehmenden Bewerbern, aber noch mehr hängt davon ab, wie sie am Dienstag bei den Vorwahlen in New Hampshire abschneiden. Wer sowohl Iowa als auch New Hampshire gewinnt, wurde bisher stets zum Präsidentschaftskandidaten nominiert.

Einiges spricht dafür, dass Obama am Dienstag in New Hampshire an seinen Erfolg anknüpfen kann. »Wenn Hillary Obama nicht in New Hampshire stoppt, wird er der demokratische Kandidat«, glaubt der prominente Wahlkampfberater Robert Shrum. Sie muss deshalb ihre beste Waffe einsetzen, ihren Mann Bill. Bis Dienstag soll er nonstop Wahlkampf für sie machen.

New Hampshire kann für die Demokraten schon die Vorentscheidung bringen. Die Republikaner dürfen dagegen kaum auf eine schnelle Klärung ihres unübersichtlichen Feldes von Bewerbern hoffen. »Sie haben niemanden aufgestellt, um den wir uns sammeln können«, sagt der Republikaner Bob Tank aus Manning, 120 Kilometer westlich von Des Moines. Sein Freund, der Farmer Russ Stribe, ergänzt: »Kein Kandidat ragt wirklich über die anderen hinaus.« Zwar konnte Huckabee die erste Runde für sich entscheiden, aber ein neuer Erfolg für den Baptistenprediger ist in anderen Regionen ungewiss. Die evangelikalen Christen, in Iowa besonders stark, waren Huckabees größte Unterstützer.

Auch die bisherigen Favoriten der Republikaner straucheln nun. Romney wäre nach einer weiteren Niederlage in New Hampshire wohl erledigt. Und New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani hat sich vielleicht verkalkuliert, als er darauf setzte, vor allem die bevölkerungsreichen Küstenstaaten zu umwerben. Bis dort gewählt wird, glaubt möglicherweise niemand mehr, dass er überhaupt gewinnen kann. Politische Kommentatoren in Washington sprechen schon von einem gegenseitigen Vernichtungsfeldzug der Republikaner.

Wenn überhaupt, kann davon ein Bewerber profitieren, der ganz zu Anfang des Wahlkampfs schon einmal als der große Favorit galt, dann aber als chancenlos abgeschrieben wurde: John McCain, 71. In den Umfragen aus New Hampshire hat sich der Senator aus Arizona, auch er ein ausgewiesener Bush-Widersacher, klammheimlich wieder an die Spitze gesetzt. MARC HUJER, CORDULA MEYER

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