Professionelle Fassade - DER SPIEGEL
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Briefe

Professionelle Fassade
• aus DER SPIEGEL 41/1992
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Professionelle Fassade

(Nr. 38/1992, Prostitution: Die Biographie der Amerikanerin Dolores French)

Als emotional weniger abgebrühter Mann berührt es mich doch eigenartig, wenn der menschliche Intimbereich mit soviel Kaltschnäuzigkeit zum Dienstleistungssektor degradiert wird. Ist das ein Ergebnis weiblicher Emanzipation und Selbstverwirklichung? *UNTERSCHRIFT: Berlin GOTTFRIED SCHENK

Um sich prostituieren zu können, bedarf es in der Tat bestimmter Kenntnisse und Fertigkeiten, doch die lernen die Frauen nicht bei Hydra im »Schnupperkurs«, sondern die hat ihnen schon lange vorher ein Mißbraucher vermittelt. Die Masse dieser Frauen ist hoch verschuldet, von Suchtmitteln und/oder Partnern abhängig und lebt alles andere als ein selbstbestimmtes Leben. Das Bild der selbstbestimmten Hure, die ihren Beruf frei gewählt hat, ist Teil der professionellen Fassade einer Prostituierten, ohne die sie nicht arbeiten könnte - mit der Lebensrealität der Frauen hat das allerdings wenig zu tun. *UNTERSCHRIFT: Esslingen SABINE CONSTABEL Sozialarbeiterin

Es ist die doppelte Moral, die es den Männern an den Schaltstellen verwehrt, diesen Frauen die Sozialleistungen wie allen anderen zu gewähren und die später über die Sozialämter doch teuer bezahlt werden müssen. *UNTERSCHRIFT: Uphusum (Schlesw.-Holst.) ULRICH PORSCH

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