Protest
Die Ankündigung, daß Spanien in Kürze die ersten 100 »hochmodernen« amerikanischen Panzer erhalten werde, hat zu Protesten Frankreichs und Italiens beim Nato-Generalsekretariat Anlaß gegeben, da beide Länder bisher nur mit veralteten oder umstrittenen Panzer-Typen beliefert wurden. Die Empörung ist um so größer, als Spanien nicht der Nato angehört, sondern nur durch einen zweiseitigen Militärpakt mit den USA verbunden ist. Auf der April-Tagung des Nato-Rates will Frankreich beantragen, daß keine Nato-Macht Waffen und Geräte an eine nicht dem Pakt angehörende Macht liefern darf, wenn nicht zuvor die Paktmächte mit den gleichen Waffen und Geräten versorgt sind bzw. auf die Belieferung verzichtet haben. Dem Panzer-Protest der Franzosen und Italiener folgte ein weiterer Protest gegen die Lieferung eines Düsenbombers vom Typ B 47 an Spanien. Keine Nato-Macht hat bisher
eine B 47 erhalten. Washington erklärte, es handele sich nur um die Lieferung einer Einzelmaschine, die zu Schulungszwecken dienen solle. Die Logik dieser Mitteilung konnte allerdings die Franzosen nicht beruhigen, sie fragen vielmehr: Wozu Schulung von Piloten, wenn keine Lieferungen nachfolgen? *
Franzosen und Italiener beunruhigen sich auch darüber, daß die VI. amerikanische Flotte Vorbereitungen trifft, ihr Hauptquartier von Neapel nach dem spanischen Hafen Cartagena zu verlegen. *
Amerikanische Offiziere in Spanien erhalten neuerdings nur ein Drittel ihres Soldes in Peseten ausbezahlt. Zwei Drittel werden in Dollar auf amerikanischen Konten blockiert. Sie sollen bei der Rückkehr nach den USA, jedoch nicht bei Urlaubsaufenthalten, ausgezahlt werden. Die amerikanischen Stäbe wollen durch diese Maßnahme erreichen, daß sich die amerikanischen Offiziere dem außerordentlich bescheidenen Lebenszuschnitt der spanischen Armee bis zu einem gewissen Grad anpassen, um Provokationen zu vermeiden. Da in Spanien ein Privatauto auch heute noch ein kaum erschwinglicher Luxus ist, wird den amerikanischen Offizieren nicht gestattet, ihre Privatwagen nach Spanien mitzubringen.