PROTESTANTEN
(Nr. 37/1954, Personalien)
Ihrem Bericht zufolge hat sich der Erzbischof von Sevilla, Kardinal Pedro Segura y Saenz, erlaubt, die Protestanten als eine »übelbeleumdete Sekte« zu bezeichnen. Für eine ecclesia militans, die sich solcher Ausdrücke bedient, haben wir Protestanten ebensowenig Verständnis wie für die kürzlich vollzogene »Weihe Deutschlands« an Maria.
Berlin
Willy Nathusius
Bekanntlich können alte Männer nur sehr schlecht vergessen. Wir müssen bis zum spanischen Bürgerkrieg zurückgehen, um das heutige, keineswegs alltägliche, Vorgehen dieses 73jährigen Kirchenfürsten zu verstehen: Damals, als die rotspanische Soldateska in Massen Geistliche quälte und tötete, als diese Regierung noch »legal« war, schlossen die protestantischen Kirchenführer Spaniens - nach vorausgegangener Treuekundgebung zur legalen Regierung und nach feierlicher Ächtung des »Rebellen« Franco - mit der rotspanischen Regierung eine Art von Nichtangriffspakt (der ihnen à la longue freilich nicht viel half). Daß diese Notwehraktion, wie man sie vielleicht nennen kann, die Protestanten nicht gerade bei dem Franco-Regime beliebt machte, ist wohl verständlich, zumal dieses vom ersten Tage an seine Treue zur in Spanien alteingesessenen Kirche besonders betonte. So kommt es, daß der Kardinal von Sevilla die spanischen Protestanten mit den spanischen Kommunisten auf einen Nenner setzt, nach dem Motto: Der Gehilfe ist wie der Täter zu behandeln.
Paris
E. Voretzsch