KOSOVO Rache der Hardliner
Die in der Krisenprovinz stationierten deutschen Militärs haben einen ihrer zuverlässigsten Ansprechpartner verloren: den ehemaligen UÇK-Kommandeur Ekrem Rexha, 39. Der unter dem Namen »Drini« bekannte Kosovare galt als Frontmann der gemäßigten Albaner in der von Deutschen kontrollierten Zone. Montag voriger Woche feuerten Unbekannte zwölf Schüsse aus einer Kalaschnikow auf ihn ab, Drini verstarb kurz darauf im deutschen Feldlazarett von Prizren. Der frühere Oberstleutnant der jugoslawischen Armee war nach Aufhebung der Kosovo-Autonomie 1989 in den Untergrund gegangen und hatte gegen die Serben gekämpft; die UÇK machte ihn zum Leiter der Operationsabteilung ihres Generalstabs. Nach Einzug der Nato-Truppen im Juni vorigen Jahres kooperierte der polyglotte Offizier sofort mit der westlichen Streitmacht. Drini wurde möglicherweise Opfer von Machtkämpfen innerhalb der ehemaligen UÇK: Er hatte für die Aussöhnung zwischen Albanern und Serben geworben. Eine zwischen ihm und der Kfor ausgehandelte Vereinbarung, die den albanischen Kämpfern das öffentliche Tragen von Waffen verbot, empfanden viele seiner Kameraden als Demütigung. Drini, der zuletzt in Prizren als Umweltdezernent arbeitete und sich Chancen bei der Bürgermeisterwahl im Herbst ausrechnete, hatte sich später von der UÇK distanziert - 50 000 Menschen gaben ihm vorigen Donnerstag das letzte Geleit.