CHINA Räuber oder gedungene Killer?
Der Mord an dem deutschen DaimlerChrysler-Manager Jürgen Pfrang, seiner Frau und seinen beiden Kindern am 2. April in Nanking gibt immer mehr Rätsel auf. Jetzt erhielt der Verdacht neue Nahrung, es habe sich möglicherweise um einen Auftragsmord gehandelt. Pfrang hatte, wie Angehörige berichteten, vor der Tat über finanzielle Unregelmäßigkeiten in seinem Betrieb recherchiert - einem Gemeinschaftsunternehmen von DaimlerChrysler und chinesischen Partnern, das Busse herstellt. Das grausige Verbrechen soll kurz vor wichtigen Sitzungen stattgefunden haben, auf denen der Deutsche »unangenehme Informationen hätte publik machen können«. Die DaimlerChrysler-Vertretung in Peking schwieg zu dem Thema. Die Behörden, offenkundig um das gute Investitionsklima besorgt, sprechen von einem nicht gezielt gegen Ausländer gerichteten Raubmord: Die Täter seien arme Bauern gewesen, die auf ihrem Beutezug überrascht wurden. Schon kurz nach der Tat allerdings hatten ehemalige Mercedes-Mitarbeiter Zweifel an der offiziellen Version geäußert und von Intrigen der chinesischen Partner in dem Unternehmen berichtet (SPIEGEL 15/2000). Merkwürdig ist auch, dass vom Palmtop-Computer Pfrangs sämtliche Informationen mitsamt einem Verschlüsselungsprogramm gelöscht wurden. Der Prozess soll am 18. Mai stattfinden. Um die Möglichkeit zu erhalten, Akten einzusehen, und zu erreichen, dass alle Tatsachen auf den Tisch kommen, treten Familienmitglieder der Opfer mittlerweile über einen einheimischen Rechtsanwalt als Neben-kläger auf. Die Verdächtigen im Alter von 19 bis 23 Jahren waren noch am Tatort, einer Wohnanlage für Ausländer, festgenommen worden. Sie hatten die Deutschen mit Melonenmessern erstochen, dreien von ihnen droht die Todesstrafe.