RAPACKI-MARSCH
Es ist zweifellos ein Verdienst Ihres Kommentators Jens Daniel, daß er elastischer als andere Zeitkritiker das über ein Jahrzehnt lang in den westlichen Regierungskanzleien gepflegte Vorurteil gegen Verhandlungen mit der östlichen Welt überwunden hat. Deutlicher noch als in der »Strategie des Nein« hat er in seinem Artikel »Der löcherige Schild« die Brüchigkeit der Gegenargumente aufgezeigt, hinter denen sich die Politiker des Westens verschanzen, um dem Rapacki-Plan und damit dem Zusammenbruch ihrer zäh und mühsam aufgebauten politischen und militärischen Strategie auszuweichen. Man braucht kein geborener Pessimist zu sein, um vorauszusagen, daß es ihnen auch diesmal gelingen wird, einen Plan totzureden, der vielleicht von der nächsten Politiker -Generation bedauernd als letzte verpaßte Chance für eine Entspannung bezeichnet wird.
München KURT JOSCHKA
Für einen politischen Laien ist eine atomwaffenfreie Zone, die einer Vogel-Strauß -Politik gleichkommt, eine feine Sache. Im Kriegsfalle aber existiert eine solche Zone nur auf dem Papier. Ebensogut könnte
man an unserer Grenze Schilder aufstellen mit der Aufschrift: »Das Betreten deutschen Bodens ist im Kriegsfalle verboten!«
Bremen HANS FICHTLER
Nehmen wir an, die Rapacki-Länder hätten keine fremden Truppen und keine Atomwaffen mehr. Was kann dann jeden Tag passieren? Die Kommunisten arrangieren einen kleinen Radau im Ruhrgebiet. Die ostdeutschen Arbeiterwehren kommen zu Hilfe. Es kommt zu einem Kriegchen zwischen Rapacki West und Rapacki Ost. Da die Kommunisten in der Organisation derartiger Kriegchen den schwerfälligen Westdeutschen zweifellos überlegen sind, und da außerdem die Russen »einsatzbereiter« sind als die Franzosen, gewinnt der Osten diesen kleinen Krieg binnen wenigen Tagen. Glaubt Herr Daniel allen Ernstes, die Engländer und Amerikaner würden dann wegen der dummen Nazi -Deutschen einen Atomkrieg riskieren? Oder gar einen Krieg mit alten Waffen, der ihnen noch unsympathischer ist?
Der Rapacki-Plan ist geradezu eine Prämie auf so ein nettes, kleines, natürlich »atomwaffenfreies« Kriegchen à la Österreich, Sudetenland, Tschechei 1938, Tschechei 1948, Korea.
Reutlingen ERNST DUNKER
Selbst und gerade wenn man in den Sowjets den stets angriffslüsternen Feind erblicken wollte, mußte man sich bemühen, einen möglichst breiten Raum zwischen seinen Streitkräften und dem eigenen Gebiet zu schaffen. Der Plan des polnischen Außenministers bietet uns diese Möglichkeit - ganz abgesehen davon, daß er uns und unseren nächsten östlichen Nachbarn von dem Alpdruck der Atomwaffen im eigenen Land befreien könnte. Wissen wir darüberhinaus, welche eigenen Interessen die Gomulka-Regierung gerade mit dem Vorschlag auf Abzug fremder Truppen verbindet? Und ob ihr nicht vielleicht der Rückzug der russischen Streitkräfte aus dem östlichen Mitteleuropa
ebenso wünschenswert erscheint wie die Räumung der Bundesrepublik von Nato -Truppen?
Unsere Regierung kann die Antwort auf diese Fragen natürlich nicht wissen; denn bisher hat sie ja jede Möglichkeit, die Ansichten des östlichen Nachbarn zu erforschen, sorgsam vermieden.
Hannover BEATE KRÄMER
Atomwaffenfreie Zone ist wie luftleerer Raum. Mit der Zeit besteht die Gefahr des Eindringens sowjetischer Luft. Aber wie lange kann das dauern? Zehn Jahre? Das würde heißen: Zehn Jahre Ruhe und Frieden. Und was für Veränderungen sind inzwischen im russischen Machtbereich möglich? Riskieren wir also die Waffenlosigkeit, und überlassen wir es unseren Söhnen, sich etwas Neues einfallen zu lassen.
München WALTER EGLINSKI
Der Fortschritt
Wieviel Schritte Distanz?