Rassig-robust - DER SPIEGEL
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ISLAND Rassig-robust

Eine mysteriöse Seuche bedroht die Ponys, einen beliebten Exportschlager der Vulkaninsel am Polarkreis.
• aus DER SPIEGEL 19/1998
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Schnaufend, prustend und niesend trabt Blaer den schmalen Lavapfad zum eisbedeckten See Vifilsstadavatn hinab. Normalerweise bringt das neun Jahre alte Pferdchen die Strecke mühelos hinter sich, doch diesmal wirkt es, als wäre es am Ende seiner Kraft.

Blaers Atembeschwerden rühren von einer Grippe her, die mehr als die Hälfte aller 80 000 Ponys auf Island befallen hat. Sigridur Björnsdóttir, Pferdespezialistin im Veterinäramt der Hauptstadt Reykjavík, steht vor einem Rätsel: Eigentlich müßte die Infektion nach drei bis vier Tagen abklingen, ohne bleibende Schäden für die Tiere. Aber inzwischen sind schon Dutzende Ponys verendet, und die Epidemie, die im Winter plötzlich ausbrach, ließ sich bisher nicht eindämmen.

Die Behörden fürchten das Schlimmste. Sie haben eine Art Quarantäne verhängt, die Ponys dürfen ihre heimischen Höfe und Weiden nicht verlassen, damit sich die Seuche, so Björnsdóttir, »nicht in den bislang verschonten Norden Islands ausbreitet«.

Härter trifft die Züchter eine zweite Auflage: Solange die Ursache der Pferdegrippe nicht einwandfrei geklärt ist, darf kein Tier exportiert werden, für die Inselbauern ein empfindlicher Schlag.

Um die früher fast totale Abhängigkeit von der Fischindustrie zu lockern, hatten die Wirtschaftsbehörden die Aufzucht und die Ausfuhr der kompakten Kleinpferde großzügig gefördert. An die 3000 Exemplare gingen vergangenes Jahr in 19 Länder, vor allem nach Deutschland und Schweden. Ein Prachthengst bringt bis zu einer Million Kronen (31 000 Mark).

Bei Kindern wie auch bei weniger reitgeübten Erwachsenen sind die intelligenten und gutmütigen Ponys hoch begehrt. Vor rund tausend Jahren von Wikingern nach Island gebracht, nie mit anderen Pferderassen gekreuzt und bislang auch nicht von Krankheiten oder Erbdefekten heimgesucht, galt der Ponystamm als besonders reinrassig und robust.

Vor allem zeichnet er sich durch extravagante Fußarbeit aus: Pferde bewegen sich in drei natürlichen Gangarten fort - Schritt, Trab und Galopp. Die Islandponys können zwei weitere Gänge einlegen: den »tölt«, einen gleichmäßigen Schnellschritt, und den »skeid«, eine Art Paßgang. Die fast sprichwörtliche Ruhe der Islandponys macht die Tiere auch bestens fürs Voltigieren geeignet.

Bislang hat die Pferdegrippe nur den auf Export spezialisierten Züchtern geschadet. »Seit Februar ist der Verkauf ins Ausland tot, nicht einmal Optionen werden gezeichnet«, klagt Hulda Geirsdóttir, die Vorsitzende des Züchterverbands. Mehr als tausend Bauern, Trainer und Stallwarte haben mittlerweile ihr Auskommen in der Ponyzucht gefunden. Selbst Ministerpräsident Davíd Oddsson sorgte sich: »Wir können wenig tun, bis die Ursache des Fiebers entschlüsselt ist.«

Die Isländer haben sich an die Schwedische Veterinärhochschule in Ultuna bei Uppsala um Hilfe gewandt, doch bislang sind die Forscher nicht fündig geworden. Veterinärin Björnsdóttir glaubt, daß der gesamte isländische Ponystamm infiziert worden sei. Da aber nur jedes zweite Pferdchen Symptome aufweist, hofft sie, daß die Gefahr spätestens im Mai, wenn es wärmer wird, von selbst vorübergehe.

Das ist vor allem für die Touristensaison wichtig, die Anfang Juni beginnt. Für die meisten ausländischen Gäste gehören Reitsafaris oder Tagesausflüge mit Ponys zum nordpolaren Abenteuerprogramm. Nun geht die Angst um, daß die Urlauber, im vergangenen Jahr 200 000 Besucher, die Reittouren meiden und sogar den gesamten Inseltrip stornieren könnten.

Dafür aber, versichert Björnsdóttir, gebe es nicht den geringsten Anlaß. Nach dem Abklingen der Ponygrippe würden »alle Ställe und Reitmonturen bis hin zu den Gummistiefeln desinfiziert«.

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