Rattenrennen ohne Gewinner - DER SPIEGEL
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Briefe

Rattenrennen ohne Gewinner
• aus DER SPIEGEL 41/2009
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rattenrennen ohne Gewinner

Nr. 39/2009, Konjunktur: Kann eine Wirtschaft ohne Wachstum funktionieren?

Der Artikel hat es genau auf den Punkt gebracht. Wenn Wachstum allein mit Konsum gleichzusetzen ist, dann geht das in die falsche Richtung. Lange Transportwege sind zu vermeiden. Regionale Vermarktung sollte Vorrang haben, was nicht gleichbedeutend mit Protektionismus ist. Die Wiederverwertung nicht nachwachsender Rohstoffe gehört mit dazu. Wachstum ja, dann aber primär qualitativ, etwa in Bildung, Forschung und Entwicklung - gerade auch in regenerativen Energien. Ganz wichtig ist auch der Bereich der Dienstleistungen, dem im Pflegebereich wachsende Bedeutung zukommt.

GRÜNHEIDE (BRANDENB.) RAINER SZYMANSKI

Einen Wachstumszwang gibt es volkswirtschaftlich nicht. Das sieht nur aus rein betrieblicher Sicht so aus. Die Politik hat sich mit dem Stabilitätsgesetz von 1967 selbst in die Wachstumsfalle begeben, aus der sie sich jetzt wieder befreien müsste und könnte: durch eine Politik der fairen Teilung von Arbeit und Wohlstand. Diese würde uns endlich ermöglichen, die Früchte stürmischer Produktivitätsentwicklung zu ernten: freie, disponible Zeit.

STADE (NIEDERS.) FRITZ TIEMANN

Das BIP-Wachstum ist für Gesellschaften, deren grundlegende Lebensbedürfnisse gestillt sind, ein schlechter Indikator für den Wohlstand und die Lebensfreude der Bevölkerung. Das stellte bereits der amerikanische Ökonom Richard Easterlin in den siebziger Jahren fest. Gleichwohl wurden diese und spätere Ergebnisse meist ignoriert, weil sie so gar nicht in die Welt der meisten Ökonomen passen. Der störrische Glaube an unendliches Wachstum verursacht das Rattenrennen, bei dem alle immer schneller laufen, aber keiner je gewinnt. Es hat viele Gesellschaften, aber vor allem den Planeten an den Rande des Abgrunds gebracht.

MÜNCHEN FABIAN JOAS

Es gibt einen Begriff aus den Wirtschaftswissenschaften, der eine gute Diskussions- und Entwicklungsgrundlage bietet: Wertschöpfung. Er entbehrt der (finanz-)mathematischen Irrtümer, die uns schon viel Unheil beschert haben. Wertschöpfung lässt Freiraum für grundsätzliche Überlegungen. Wir müssen uns über wahre Werte Gedanken machen.

KOBLENZ PATRICK BERNARDI

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