Rauch - DER SPIEGEL
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Briefe

Rauch
• aus DER SPIEGEL 21/1949
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Rauch

Im »Spiegel« Nr. 20 veröffentlichen Sie ein Bild Hermann Görings mit einer altväterlichen Tabakspfeife. Gerade mit diesem Bild hatte es seinerzeit eine eigenartige Bewandtnis.

Seine Geschichte bildet einen typischen Beitrag für die Art, wie man im totalitären Regime Innenpolitik machte.

Es ereignete sich öfter im tausendjährigen Reich, daß man gegen Tabakrauchen und Tabakanbau ein Attentat im Schilde führte. So wollte Dr. Hjalmar Schacht, als er noch als Wirtschaftsminister in Gnade war, aus »autarkischen Gründen« den deutschen Tabakbau abschaffen und in der Pfalz, in Franken und Baden Kohlköpfe anpflanzen lassen.

In den ersten Kriegsjahren unternahm der Reichsärzteführer Dr. Conti einen Sturmangriff gegen das Tabakrauchen. Zuerst hielt er vor zigarrenrauchenden Gauleitern Vorträge über die Gefahren des Nikotins. Dann ließ er die Flugzeugbesatzungen, die im Herbst 1940 beim »Blitz auf London« Bomben geworfen hatten, in Reihenuntersuchungen ärztlich überprüfen. Er kam zu dem Ergebnis, daß Flieger, die rauchen, nicht so widerstandsfähig beim Bombenwerfen wären wie jene, die sich des Tabaks enthalten.

Dr. Conti legte Hitler, der selbst abstinenzlerische Neigungen hatte, eine dicke Denkschrift über die Schädlichkeit des Rauchens vor. Darin wurde verlangt, daß das deutsche Volk sich nicht seine edle Rasse durch blauen Tabakdunst verderben dürfe.

Gauleiter Sauckel assistierte Dr. Conti. In den Hotels und Restaurants des grünen Herzens Thüringen prangten Plakate gegen Zigaretten, Zigarren und Pfeife. Auch das Priemen sollte verboten werden.

Bei einem Besuch im Führerhauptquartier hörte Hermann Göring Contis Anti-Rauch-Tendenzen. Er befahl sofort den Photographen Eitel Lange zu sich und ließ sich mit Feldkrätzchen, Großkreuz des Ritterkreuzes und Pfeife abkonterfeien. Gleichzeitig gab er Befehl an die Berliner Illustrierte, dieses Bild auf der Titelseite zu veröffentlichen.

So geschah es. Die Conti-Denkschrift wanderte in den Papierkorb.

Hamburg

MARIA LANGE

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