READ-GEBURT - DER SPIEGEL
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Briefe

READ-GEBURT
• aus DER SPIEGEL 25/1955
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READ-GEBURT

(Nr. 23/1955, Medizin)

Besten Dank für Ihren ausgezeichneten Aufsatz über Dr. Read. Man sieht daraus, es hat sich seit dem 16. Jahrhundert, als man Galileo Galilei folterte und gar verbrennen wollte, weil er die Behauptung wagte, daß die Erde nicht der Mittelpunkt der Welt sei, im Prinzip nicht viel geändert...

München

JOHANNES HAUCK

... Die Erfahrungen, die ich bei der Geburt meines Sohnes im vergangenen Jahr gemacht habe, sind ein lebhaftes Beispiel für die Wahrheit der Lehre von Dr. Read.

Berlin

SIGRID WENIGER

So ganz neu sind die Erkenntnisse des Dr. Read ja nun nicht. Daß die Frau bei der Geburt ihres Kindes »mitarbeiten« muß, wissen die Geburtshelfer - ob Arzt, ob Hebamme - nicht erst seit gestern.

Northeim

ULRICH SCHWENNICKE

Ich wünschte, viele der Mütter und werdenden Mütter, die diese doch so absolut einleuchtenden Erklärungen einfach nicht wahrhaben wollen, würden Ihren Artikel über schmerzfreie Geburt lesen.

Eschwege

RUTH HAMMERAN Studienassessorin

Es ist erfreulich, daß es sich bei Ihrem Artikel »Geburt ist Arbeit« nicht um oberflächliche Mitteilungen, sondern offensichtlich um eine gründliche Bearbeitung des

Themas »Natürliche Entbindung« handelt, und zwar in einer auch dem Nichtmediziner gut verständlichen Form ...

Havighorst

IRMGARD WEISS

Wenn mit Ihrem Artikel zunächst weiter nichts bewirkt wäre, als daß der Kreißsaal alten Stils verschwindet - es wäre schon viel.

Hannover

FRIEDRICH IBBERS

... Der gelegentlich gering geachtete Landarzt kann bei Geburten mehr Arzt sein als ein perfektionierter Arzt, der seine modernsten Instrumente mit 20 000 DM bis 50 000 DM aktivieren muß.

Berlin

HERBERT KARL RÖTTGER Diplom-Kaufmann

Riecht ein bißchen nach Charlatan, der Dr. Read. Alte Masche, eine grundsätzliche Erkenntnis nun zum alleinseligmachenden Prinzip zu erheben, anstatt sie lediglich still und bescheiden in die bereits gewonnenen allgemein medizinischen und besonderen chirurgischen Erfahrungen einzubauen.

Münster

ALFRED SINTERN

Die Methode des Dr. Read scheint sich doch langsam durchzusetzen. So brachte eine große französische Schallplattenfirma vor kurzem eine Langspielplatte heraus, auf der ein Frauenarzt den werdenden Müttern Erklärungen über die physiologischen Vorgänge der Entbindung und Anweisungen für ein richtiges Verhalten gibt.

München

ULLA POEPPING

Zur Zeit wird auch in Kliniken mit bestem Ruf oft wenig oder gar nichts getan, um der werdenden Mutter die Angst zu nehmen. Im Gegenteil. Wegen Platzmangels in der zweiten Klasse wurde ich Tage vor meiner Niederkunft im Kreißsaal untergebracht und mußte nun mit ansehen, wie andere Mütter unter äußersten Schmerzen ihre Kinder zur Welt brachten. Eine recht robuste, ja sadistische Art der Vorbereitung auf meine »schwere Stunde«. Infolge des seelischen Schocks traten denn auch prompt Komplikationen auf, die bei psychologisch einfühlsamerer Behandlung hätten vermieden werden können.

Düsseldorf

ANNA HELMSEN

Zurück zur Natur! - Schön wär's ja, wenn es nach Dr. Read gelänge, die Entartungserscheinungen der Zivilisation, zu denen auch die Schmerzen der Geburt offenbar gezählt werden müssen, überwunden werden könnten.

Koblenz

HORST DITTMER

... Es könnte der Eindruck entstehen, als wenn ausgerechnet der Engländer Read die Methode gefunden hätte, eine Geburt schmerzlos zu gestalten, während alle Ärzte und Frauenärzte der ganzen übrigen Welt, die sich seit Jahrhunderten und seit Jahrtausenden mit diesem Problem beschäftigen, mehr oder weniger Dummköpfe waren, die das Ei des Kolumbus nicht gefunden haben.

Es ist doch Tatsache, daß nur ein kleiner Teil der Patienten auf Suggestionen und Entspannungsübungen anspricht ... Außerdem sind diese Methoden für einen Arzt (Kassenarzt!) und auch für eine Klinik praktisch aus Zeitmangel ganz undurchführbar ... Dr. Read ist eben ein Einzelfall und Einzelgänger, der nicht verallgemeinert werden kann ... Die Erfolge beruhen auf Suggestion und sind irgendwie mit der Persönlichkeit stark verknüpft. Ich glaube ohne weiteres, daß der Kollege Read bei dem Aufwand, der Mühe und der Zeit die Erfolge hat, die er beschreibt, aber er sollte so viel Selbstkritik aufbringen und einsehen, daß sich dies nicht so einfach auf andere Verhältnisse übertragen läßt.

Sein Buch erweckt in den Frauen Hoffnungen, die in dem Umfang, wie er es behauptet, einfach nicht erfüllt werden können. Und das müßte er wissen. Dies ist es auch, was ihm seine englischen Kollegen mit Recht verübeln und wogegen sie Stellung nehmen.

Werdohl

DR. THEO BRANDESS

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