RECHENFEHLER - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 58 / 80

Briefe

RECHENFEHLER
• aus DER SPIEGEL 44/1962
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

RECHENFEHLER

Wie konnten Sie auf Bobby Fischers Milchmädchen-Rechnung hereinfallen? Ohne seinen schwachen Start in Curacao wäre die russische Remis-Blockpolitik gar nicht möglich gewesen.

Frankfurt

H. ALBRECHT

Bobby Fischers Artikel hätten Sie entweder einige Wochen früher bringen sollen oder erwähnen müssen, daß der 33. Kongreß der »Fide« (vom 25. August bis 5. September 1962 in Saltsjöbaden bei Stockholm) inzwischen wesentliche Beschlüsse gefaßt hat, die zumindest einige der von Fischer erwähnten »Mißstände« beseitigen.

Die Spielregeln wurden dahingehend geändert, daß eine Partie erst nach 30 Zügen Remis gegeben werden darf, es sei denn, der Schiedsrichter bestätigt aufgrund ganz besonderer Umstände eine frühere Remisvereinbarung. Diese Bestimmung erschwert ein frühzeitiges sogenanntes »Großmeisterremis«. Verhindern kann sie es natürlich auch nicht, wenn beide Spieler schon vor der Partie darüber einig sind, sich den Punkt zu teilen.

Wesentlicher ist aber die Neuordnung des Kandidatenturniers, die von der UdSSR vorgeschlagen wurde. Hiernach ermitteln die acht Teilnehmer des Kandidatenturnieres den Herausforderer des Weltmeisters nicht mehr in einem Rundenturnier (jeder spielt gegen jeden vier Partien, die Gesamtpunkte aus allen 28 Partien entscheiden), sondern in Wettkämpfen. Und zwar: a) durch vier Wettkämpfe (Viertelfinale) zwischen den acht Teilnahmeberechtigten, b) durch zwei Wettkämpfe (Halbfinale) zwischen den vier Siegern des Viertelfinales, c) durch einen Wettkampf (Finale) zwischen den beiden Siegern des Halbfinales.

Jeder der Wettkämpfe umfaßt zehn bzw. zwölf Partien. Bobby Fischer hat jetzt also die Chance, auch ohne Punktvorgabe durch Siege in mehreren Einzelwettkämpfen Weltmeister zu werden, ohne daß die Russen sich gegenseitig helfen können.

Bremen

BERND WARNKEN

Landesschachbund Bremen

Ich bin Mitglied des Bamberger Schachclubs. Im vergangenen Jahr brachte Lothar Schmid (Großmeister), den bei ihm zu Besuch weilenden Bobby Fischer in unseren Klub. Schon damals fiel mir auf, daß sich Bobby als den besten Spieler der Welt bezeichnete, schon damals machte ich ein Fragezeichen. Heute, nachdem ich den Artikel gelesen habe, mache ich zehn Fragezeichen.

Bamberg

J. B. HERRMANN

Als Paul Keres (kein Russe, wie Fischer meint!) so alt war wie Fischer heute, war er ein sympathischer junger Mann, und die Sympathie ist bis heute erhalten geblieben. Fischer täte gut daran, dem internationalen Schach solange fernzubleiben, bis sein Wesen sympathischer wird. Wetten, daß er sein Wort nicht hält?

Hamburg

HEINZ WEIDNER

Die Schachgöttin Caissa würde wahrscheinlich dozieren: »Lieber Bobby, halte das alte Lied von der 'bolschewistischen Verschwörung' doch aus dem Schach heraus - wenn gewisse Minister den 'roten Bumann' berufen, um ihre Fehlleistungen zu übertönen, na ja. Eines Schachspielers ist dies unwürdig. Du bist noch jung und daher noch entwicklungsfähig, arbeite an Dir, dann hast Du solche Mätzchen nicht nötig.«

Köln

WOLFGANG KÜBEL

Große Worte ist man von< Fischer gewöhnt, auch daß er abfällig über seine Gegner schreibt, aber hat er das wirklich nötig? Wäre er nur etwas bescheidener und würde an sich arbeiten, er könnte einer der ganz Großen in Caissas Reich sein.

Höchst (Hessen)

MANFRED SCHOTT

Mich erstaunt, daß der SPIEGEL Fischers Großsprechereien so kommentarlos nachdruckt.

Reichenbach

HARALD KOREIMANN

Zur Ausgabe
Artikel 58 / 80