STUDENTEN Rechte Lücke
Man wohnt bei uns im eigenen Haus«, so läßt die Münchner akademische Burschenschaft »Danubia« wissen, »einer großzügig angelegten Jugendstilvilla im Exklusivstadtteil Bogenhausen«, Möhlstraße 21. Dort sind die Akademiker »nicht abgeneigt«, auch mal »ein Glas Bier zu trinken«, aber in der Regel bleiben sie unter sich, beim Trinken wie beim Pauken und wenn sie, »nicht zuletzt«, über Politik palavern. Was dabei herauskommt, ist nach eigenem Urteil allemal von »unerbittlicher Gradlinigkeit«.
Schnurstracks, so scheint es, driften die Danubier damit nach rechtsaußen
wie alle 42 »Lebensbünde« der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG), konservativer Flügel und gut ein Drittel der Deutschen Burschenschaft (120 Bünde). Und sie tun es mit Bekennertrutz. »Manche titulieren uns«, schreibt das Burschen-Blatt »Junges Deutschland«, das erstmals im Juli erscheinen soll, in seiner Null-Nummer, »als Nazis, Faschisten usw. Uns stört das nicht. Wir gehen unseren Weg.«
Die rechte Richtung kommt aus Regensburg, wo der Jura-Doktorand Peter Amelungen von der Burschenschaft »Thessalia Prag« gemeinsam mit Bundesbrüdern ein »Aktionskomitee Peter Fechter« gründete -- benannt nach jenem 18jährigen Ost-Berliner Bauarbeiter, der 1962 bei einem Fluchtversuch über die Mauer erschossen wurde und den die Burschenschaftler jetzt als »scheußlichstes Opfer des Schießbefehls« präsentieren. Der junge Maurer verblutete damals allerdings, weil ihm 50 Minuten lang weder die DDR-Schützen noch die dazu legitimierten Amerikaner zu Hilfe kamen.
Gleichwohl soll das Fechter-Komitee nun eine »Marktlücke bei der politischen Rechten« (Amelungen) schließen -mit brachialer Propaganda gegen DDR und Sozialismus, für »nationales Erwachen« und »großdeutsche Erneuerung«. »Im Großeinsatz«, so »Danubia«-Sprecher Uwe Sauermann, sollen während der nächsten Wochen Polit-Poster mit gut bekannten Photos, etwa von Peter Fechter oder vom Aufstand des 17. Juni 1953 in der DDR, verklebt werden, vornehmlich in Universitäten und Schulen, aber auch an der Straße.
Die weitgehend von den alten Herren der Bünde finanzierte Kampagne soll zeigen, »daß in diesem geteilten und entrechteten, müden und morbiden, physisch wie geistig fettsüchtigen, willenlosen und apathischen Volk eine neue Generation heranwächst« ("Junges Deutschland"). Sie beabsichtigt. »die marxistischen Kollaborateure an unseren Universitäten ununterbrochen zu provozieren«. Aktionsführer Amelungen: »Das trifft die Linken ins Herz, da wird"s Krach geben.«
Und das ist offenbar auch bezweckt: ein Schuß mehr Militanz auf der Rechten. Womöglich rührt sich nun was auf dieser Seite der Hochschulszene, die lange Zeit von Linken aller Art beherrscht wurde. Wenig beachtet, aber stramm ausgerichtet, wollen sich die Traditionsbündler wenigstens in der Lautstärke nicht mehr von Marxisten oder Maoisten übertönen lassen.
Weil das »bürgerliche Lager 30 Jahre lang geschlafen« habe, weil auch die CSU (Amelungen: »Substanzlose, bürgerliche Typen") »nur nationale Sprüche klopft« und die NPD »ein lahmer Haufen« ist, sehen sich nun die rechten Burschen gezwungen, um Chemnitz und Kattowitz zu kämpfen.
Schließlich geht es dem Aktionskomitee Peter Fechter nicht nur um das ganze Deutschland, sondern auch um den Zusammenschluß mit Österreich ("der dritte deutsche Staat"), Südtirol inklusive. Beim Nachbarn in den Alpen sind Mitstreiter der Deutschen Burschenschaften in Österreich (DBÖ) auch schon aktiv: Sie zeigen bereits seit Monaten eine Wanderausstellung ("Studenten für Europäische Freiheit") mit Fechter-Photos und deutschnationalen Sprüchen, die vom Aktionskomitee jetzt auch in der Bundesrepublik vorgeführt werden soll -- unter Versicherungsschutz.
Denn während die Schau in Österreich unbehelligt blieb und teils die Schirmherrschaft von Bürgermeistern genoß, rechnen die deutschen Veranstalter mit Widerstand. Aktionsleiter Amelungen: »Wir werden mit einer gewissen optischen Abschreckung arbeiten.« Genauer, mit Saalschutz.