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Briefe

Rechtes Glaubensbekenntnis
• aus DER SPIEGEL 52/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rechtes Glaubensbekenntnis

(Nr. 50/1981, SPD)

Die Kritik von Herrn Professor Löwenthal an den Ökologen ist im Prinzip richtig. Die Antwort auf die Lebensfrage unserer Nation kann doch nur lauten: »Exportier oder stirb!«

Grün können wir nicht exportieren und auch mit Grün kein Volk von 60 Millionen Menschen ernähren. Gegenüber dieser Existenzfrage treten alle anderen Dinge wie Abrüstung, Haushaltsdefizit und so weiter in den Hintergrund.

Das Dilemma der SPD liegt darin, daß ihr Vorsitzender über den Problemen schwebt wie Gottvater über den Gewässern am ersten Schöpfungstage.

Brilon (Nrdrh.-Westf.) WILHELM DIRKES

Wenn mit dem Brief der Annemarie Renger dazu aufgefordert werden sollte, sich zwischen den Politikern Brandt und Schmidt entscheiden zu müssen, so würde es mir nicht schwerfallen, die Politik des demokratischen Sozialismus von Willy Brandt zu unterstützen.

Wenn - laut »Bild« - auch einige Gewerkschaftsführer (man beachte die Formulierung) den Brief von Frau Renger unterschrieben haben, so muß man das wohl als ein echtes rechtes deutsches Glaubensbekenntnis betrachten. Als peinlich beziehungsweise politisch instinktlos sollte die Unterschrift eines Genossen/Kollegen auf dem Briefbogen seiner Gewerkschaft bewertet werden.

Overijse (Belgien) OTTO STAADT Sekretär im Europäischen Gewerkschaftsausschuß, Mitglied der SP Belgien

»Nie, nie wollen wir Waffen tragen ...!« sangen einst die Sozialdemokraten. Die begüterten Helden werden nun zu Verrätern an der eigenen Sache.

Graz (Österreich) GEORG HEMPFLING Sozialdemokrat, 71 Jahre

Wenn man Willy Brandt einen Vorwurf macht, er hätte sich nicht von der Bonner Friedensdemonstration distanziert, dann braucht man sich nicht zu wundern, daß aus der eigenen Partei, aus Teilen der Gewerkschaften, aus der arbeitenden S.10 Jugend und deren Organisationen nicht nur Wut, sondern auch Ekel artikuliert.

Dann muß man um der Ehrlichkeit willen zugeben, daß hier in unserem Land wieder einmal die SPD die Zusage zur Rüstung gegeben hat. Ob nun Vor- oder Nachrüstung, ist im Grunde genommen egal. Es ist und bleibt eine Rüstung, eine Rüstung zum Krieg. Um des freien Zugriffs willen zu den Rohstoffquellen und zur Unterjochung fremder Völker.

Und einen Helmut Schmidt sollte man dorthin schicken, wo er nach seinen eigenen Aussagen hingehört, aus der Partei und mit ihm das gesamte rechte Kanalarbeitergesocks.

Rotehbuch (Bayern) ARMIN ENGLERT

Ich würde mir wünschen, daß sich alle Abgeordneten auf ihr Gewissen und auf ihre Verantwortung sich selbst und den Wählern (und nicht nur ihrer Regierung) gegenüber besinnen und daß zum Beispiel ein Herr Coppik oder ein Herr Hansen, zusammen mit anderen (Herrn Eppler?), endlich konsequent den von ihnen angedeuteten Weg eines Parteiaustritts und einer Parteineugründung nähmen. Sie hätten mit Sicherheit nicht wenige Anhänger.

Weißenburg (Bayern) JÜRGEN MÖSSNER, 19

»Ganz ohne Marx geht unsere Chose nicht«, schrieb Philip Rosenthal, SPD, neulich an die Adresse seiner Partei. Gut. Hat Marx aber dort, wo finster entschlossene Sachzwangs-Pragmatiker und veränderungsphobische Strukturkonservative der SPD das »Prinzip Hoffnung« (Ernst Bloch) zu lauter Misere, das heißt zum Gegenteil von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, vermurksen, überhaupt (noch) eine Chance? Kaum. Was also tun? Unverdrossen diskutieren, kritisieren, ja revolutionieren! Bloß »reformieren« genügt nicht mehr.

Die Misere sitzt längst zu tief.

Leutkirch (Bad.-Württ.) HANS WITTEK

Ich bin kein »Aussteiger, der von staatlicher Hilfe lebt«, ich fühle mich auch keiner gesellschaftlichen Randgruppe zugehörig. Als qualifizierter Techniker habe ich unter Umständen auch schon mehr Produktives geleistet als der Politprofi Löwenthal.

Dennoch weiß ich, daß Eingleisdenker wie Löwenthal-Renger, die die absoluten »Ökopax«-Sachzwänge nicht kapieren wollen, nicht nur die SPD kaputtmachen, sondern auch diesen Planeten zugrunde richten.

Dem entgegenzuwirken, betätige ich mich politisch.

Oberaurach (Bayern) WOLFGANG KRATKY Stellvertretender Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Haßberge

Wenn ich durch meine Schusterkugel schaue, sehe ich eine recht kleine Gestalt (Öko-Gnom) mit Prinz-Heinrich-Mütze, kräftigem Kinn, aber gespitztem Mund (? laut pfeifend, ? Angst), zur Rechten begleitet von einem Löwen, durch ein dunkles langes Tal (? Altmühltal) in Richtung eines an Heilquellen reichen Dorfes (? Wildbad Kreuth) wandern. Deshalb Gegenfrage an Glotz: Party oder Kreuthszug? (Anders formuliert: Schmidt oder Schmauß?). Für die SPD gilt deshalb: Glotzauge, sei wachsam.

Wiesbaden PROF. DR. W. PLASS

Wenn Zahlen einen Sinn ergeben, dann ist doch das Meinungstief für die SPD bei etwa 30 Prozent Beweis genug, daß Brandts Integrationspolitik einem Wahlkrepierer gleicht.

Die lautstarken »Linken« in der SPD - vom Juso Piecyk bis zum Kanzlerstürmer Hansen, vom Profilneurotiker Eppler bis zum Genossen-Briefschreiber Coppik - machen wahlarithmetisch bestenfalls fünf Prozent SPD-Stimmen aus. Würden diese fünf Prozent gegen verprellte Schmidt-Wähler aufgerechnet beziehungsweise davon abgezogen, so bliebe der SPD immerhin noch ein Plus von sieben bis neun Prozent zu den jetzigen 30 Prozent. Frage an i-Männchen: Was ist mehr, 38 oder 30?

Frankfurt DR. ERHARD BEHRBALK

Was soll ich noch in dieser Partei der Sozio-, Psycho-, Philo- und anderer -logen? Die wissen doch gar nicht, wie die Brötchen verdient werden.

Finnentrop (Nrdrh.-Westf.) LUDWIG SCHMITZ

Das schlimme an diesem Thesenpapier ist die Unterschriftenaktion. Es verwundert nicht, daß die nur durch das rechte Nasenloch Luft holende Frau Renger und auch der Neutronen-Schorch an der Spitze stehen.

Die würden sicher ohne Skrupel eher Franz Josef Strauß integrieren. Aber dann ohne uns.

Steffenberg (Hessen) BERTHOLD DITTMANN

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