REFORMATION - DER SPIEGEL
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Briefe

REFORMATION
• aus DER SPIEGEL 18/1963
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REFORMATION

Ihre Geschichte über den Steuer-Systemwechsel, wobei die Umsatzsteuer in naher Zukunft durch eine Mehrwertsteuer ersetzt werden soll - nur noch der Wertzuwachs muß versteuert werden und nicht mehr bei jeder Handelsstufe der gesamte Umsatz -, ist sehr interessant. Zeigt sie doch wieder einmal die recht einseitige Denkweise unserer Finanzexperten auf: Man will lobenswerterweise die bisher begünstigten Großbetriebe stärker belasten und so die Einzelbetriebe konkurrenzfähiger werden lassen. Der Erfolg wird sein, daß die Waren der Großbetriebe durch die erhöhte Steuer teurer werden, die Einzelbetriebe - die bisher wegen der mehrfach bezahlten Steuer sehr knapp kalkulieren mußten - werden hingegen durch die verminderte Steuer großzügiger rechnen können und auch teurer werden. Und wir müssen bezahlen.

Dortmund

DIETRICH STAEBE

In die Aufzählung der problematischen Nebenwirkungen der Mehrwertsteuer

ist Ihnen ein Vorurteil hineingeraten, das von den Gegnern der Mehrwertsteuer liebevoll gepflegt wird: Sie schreiben, daß Unternehmen mit hoher Wertschöpfung stärker belastet werden als bisher. Eine höhere Belastung kann aber nur entstehen, wenn die Überwälzung der Steuer nicht gelingt. Bei gelungener Überwälzung (bei der Mehrwertsteuer mit Vorsteuerabzug durch offenen Ausweis auf den Rechnungen garantiert) ist die Höhe der Steuerschuld für den Steuerzahler uninteressant, denn er erhält von seinem Kunden die Steuer zurückerstattet.

Köln

ENGELBERT KAYSER

Zu Ihrem Artikel »Flucht vor der Lawine« bemerke ich folgendes: Verfasser des von fünfundsiebzig Fraktionskollegen und mir beim Bundestage eingebrachten Gesetzentwurfs ist der frühere Bundestagsabgeordnete Dr. Curt Becker, Mönchengladbach.

Der Gesetzentwurf, der in der vorigen Legislaturperiode auf Veranlassung des damaligen Bundesfinanzministers Etzel ausgearbeitet worden war und dessen Veröffentlichung Etzel zu verdanken ist, hat in der öffentlichen Diskussion die entscheidende Wende gebracht: Seitdem sind alle anderen Systemvorschläge erledigt; es besteht nunmehr Einigkeit, daß im Falle eines Systemwechsels nur die Mehrwertsteuer in Betracht kommt. Wie Sie richtig festgestellt haben, geht es bei der Frage der Umsatzsteuerreform um ein Problem der Wirtschaftsstruktur. Es handelt sich also nicht nur um die Erhaltung des Mittelstands, sondern um ein allgemein politisches Anliegen, was auch durch die Tatsache deutlich wird, daß inzwischen

Koalition, Opposition und Regierung in seltener Einmütigkeit sich im Prinzip zu unseren Reformbestrebungen bekannt haben.

Meinerzhagen (Westf.)

DR. MANFRED LUDA

Die Erkenntnis, daß unser um 20 bis 53 Prozent durch die Einkommensteuer geschmälertes Einkommen noch einmal um 11,11 Prozent reduziert wird, wenn wir etwas dafür kaufen, wirkt wie eine echte »Sparprämie«. Bisher konnte kein Mensch feststellen, wieviel »Umsatzsteuer« ihm im Preise des Endproduktes abverlangt wurde.

Düsseldorf

DR. M. DE RUYTER

CDU-MdB Luda

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