Renate Schmidt,
54, Landesvorsitzende der bayerischen SPD, fiel bei ihrer Aschermittwochsrede in Vilshofen auf einen Faschingsjux herein. Die Münchner »Abendzeitung« ("AZ") hatte vergangenen (bayerisch: »Faschings«-) Dienstag gemeldet, Finanzminister Waigel plane, auf die Gewinne von Kartenspielern Steuern zu erheben. Unter anderem sollten die Spieler des bayerischen National-Kartenspiels, »Schafkopfen« geheißen, besteuert werden. »AZ«-Überschrift: »Auch das noch: Waigel verlangt Schafkopf-Steuer«. Bei ihrer feurigen Rede auf dem hohen Ton unentwegter Entrüstung kam die Sozialdemokratin auch auf das Steuerunwesen in der Republik zu sprechen und stürzte sich triumphierend auf die »Schafkopf-Steuer«. »Ham die eigentlich einen Schlag?« empörte sich die Rednerin über die in Bonn und wedelte mit der »AZ« vom Faschingsdienstag. »Denen fällt überhaupt nichts mehr ein.« Ein genaueres Textstudium hätte den Patzer der »roten Renate« vielleicht verhindern können. Das neue »Besteuerungsgesetz für gewinnrelevante Spiele an festen Holzplatten« solle, so hatte die »AZ« gemeldet, »am 1. April in Kraft treten«. Tataa, tataa, tataa.
Schmidt W. M. WEBER