RENOMMIERFRONT
(Nr. 45/1967, Bundeswehr)
Über Etikette und Putzsucht der Bundeswehr machen Sie sich bitte keine Gedanken. Es ist ein Naturgesetz, daß Putzsucht und »Intelligenzwert« einander umgekehrt proportional sind.
Ahlen (Nrdrh.-Westf.) HEINZ BUSSMANN
Berggewerbeoberlehrer
Uns sollte jedenfalls eine Bundeswehr, die gut aussehen möchte, lieber sein als eine, die kämpfen möchte!
Darmstadt PETER BREDEL
Leutnant der Reserve
Gönnt der Bundeswehr doch wenigstens die Fangschnur; vielleicht erreichen die Herausgeputzten durch heftiges Affen-Schaukeln doch noch das beispielhafte Niveau einer israelischen Armee.
z. Z. London RÜDIGER R. STETZELBERG
Eines ist sicher: Der Israeli Dajan würde sich nie solch sinnloses Gespinst umhängen wie unsere Offiziere, auch nicht im Kasino. Dieser echte Soldat hat dies nicht nötig, er hat seine Feldzüge bisher auch ohne Tradition gewonnen. Und wir? Wir haben aus unseren Katastrophen nur eine morsche, heute kindisch anmutende sogenannte Tradition gerettet. In unseren Kasinos wird ein Sternchen- und Tressensalat in Gold und Silber serviert, der unwillkürlich an Platzanweiser im Zirkus erinnert.
Augsburg KARL WAGNER
Wie mir aus Neu-Delhi bekannt wurde, hegt man in dortigen restaurativ gesinnten Offizierskreisen höchste Bewunderung für die deutsche Bundeswehr, weil »im eigenen Lande längst nicht soviel zur Pflege heiliger Kühe und des Kastenwesens getan werde.«
Tübingen JÖRN BOOST
stud. phil., Gefr. der Reserve
Seit 1964 bin ich Angehöriger der Bundeswehr, und ich kann reinen Gewissens die Erfahrungen des Autors nur bestätigen.
Hamminkeln (Nrdrh.-Westf.) MANFRED M. C. BECKER Unteroffizier der Luftwaffe
»Once upon a time, there was Nach elfmonatigem Grundwehrdienst bin ich als Kriegsdienstverweigerer aus unserer traditionsbeladenen Bundeswehr entlassen worden. Während dieser Zeit war ich acht Monate Offiziersordonnanz im Offizierskasino (wie es ja inoffiziell weiterhin im Bundeswehr-Jargon heißt) beschäftigt. Ich kann diesem Bericht nur zustimmen. Leider »war« es nicht nur einmal, sondern es »ist« wieder einmal so! Vöhringen (Bayern) LUDWIG SCHMIDKONZ Wenn Soldaten hierzulande wie eh nach äußerem Glanze trachten, dann wird ratlose Verwunderung sich nur dort einstellen, wo Eitelkeit beziehungsweise Geltungsbedürfnis nicht als ein menschliches Grundagens erkannt ist. Staatsbürger in Zivil tragen Schlachten an der Renommierfront bekanntlich mit der Automarke aus.
München BRUNO MELLINGER
Dipl.-Psych., Hauptmann der Reserve Mit dieser ungezügelten journalistischen Fehlleistung hat der SPIEGEL mühelos das Niveau von »Konkret«, »Pardon« und ähnlichen Blättern unterschritten. Diese seit Jahren schwächste Arbeit Ihrer Mitarbeiter läßt ernste Zweifel an der Seriosität Ihres Blattes aufkommen und hat meiner Meinung nach keine ernsthafte Zielsetzung, die sonst nie in Ihren Artikeln gefehlt hat.
Hannover HOLGER-UWE THOMAS
Oberleutnant
Ihr Artikel ist beschissen.
Hamburg B. BLANKE Leutnant zur See der Reserve
J. HERBST Leutnant zur See der Reserve
H. J. LEUE Leutnant zur See der Reserve
Mist.
Mannheim ECKEHARD RÜCKEMANN cand. rer. oec., Oberleutnant der Reserve
Viel Vergnügen hat es mir bereitet, lesen zu können, wie Augstein und Genossen sich darüber ärgern, daß andere etwas können, was sie selbst anscheinend nicht gelernt oder schon wieder verlernt haben: sich benehmen können.
Berlin DR. OTTO SCHMIDT
Schlürfen des Nachbarn beim »Suppelöffeln« und das Herunterhängen des Armes beim Essen, möglichst so weit, daß die Nase in den Teller reicht, dürfte sicherlich bei jedem einigermaßen kultivierten Europäer Widerspruch erwecken -- so denn auch bei der Bundeswehr. Mir jedenfalls verderben täglich in der Mensa derartige Geräusche und Anblicke den Appetit.
Köln AXEL NAWROCKI
stud. jur., Leutnant der Reserve
Stil und Formen -- Etikette also, wenn man so will -- sind nicht nur Erziehungsmittel, sondern sind unerläßliche Korrelate jeder menschlichen Gemeinschaft oder Gesellschaft, die im sogenannten rechtsfreien Raum eines Umgangsstils bedarf, der sich in bestimmten Formen ausdrückt. Wenn in unserer pluralistischen Gesellschaft der Schrei nach weitgehender Formlosigkeit auch noch so laut widerhallt, so ändert das doch nichts daran, daß just die Forderung nach freier Entfaltungsmöglichkeit des Einzelnen ein Minimum an für alle verbindlichen Formen als Voraussetzung verlangt. Eine Gemeinschaft wie die Bundeswehr, die nun mal -- auch in der Demokratie -- eine Gemeinschaft sui generis ist (ohne sie damit etwa außerhalb dieser Demokratie stellen zu wollen), bedarf dessen ganz im besonderen.
Wilhelmshaven WILFRIED KOETHE
Fregattenkapitän
Gerade vom Grafen Baudissin hatte man sich nach Ihrer erfrischenden Titelgeschichte ein bisweilen etwas herzhafteres Wort gewünscht: Sein Langmut dem Schnüren-, Kordel-, Abzeichen- und Medaillentrend gegenüber mag ein Ergebnis militärischer Altersweisheit sein, viele der Jüngeren haben sich damit noch längst nicht abgefunden. Entwicklungen, die man nicht aufhalten zu können glaubt,
sollte man wenigstens gebührend zu lenken suchen. Die stimulierende Wirkung beispielsweise der Schützenschnur auf die wehrpflichtige Jugend ist nun mal unleugbare Tatsache. Aber mußte beim Entwurf des sogenannten »Spiegelei« gleich ein von allen guten Geistern verlassenes Gremium die Macht ergreifen!
Tongeren (Belgien) HEINRICH BRAUN
Hauptmann
Nach meiner Erfahrung in der Grundausbildung bei einem norddeutschen Luftwaffenausbildungsregiment sollte man an einem Artikel über die Bundeswehr selbst unter der Überschrift »Die Etikette« darauf hinweisen, daß ein großer Teil der Vorgesetzten auf der einen Seite nach den verstaubten Maximen deutscher Lagerfeuer-Romantik handelt, auf der anderen Seite aber mit sanfter Gewalt gegen Außenseiter der Bundeswehr-Gesellschaft vorgegangen wird.
Ein paar Beispiele für die Auswüchse dieses widerwärtigen Gemischs von Sentimentalität und Brutalität:
Ein Oberstleutnant bei der Weihnachtsfeier: Ein deutscher Soldat dürfe im Prinzip nicht weinen, nur unter dem Christbaum sei das möglich. Derselbe Offizier erklärte bei einer Belehrung, daß er von Soldaten, die sich beschweren, nicht viel halte.
Ein Unteroffizier, der ständig das Wort von »Deutscher Soldatenkameradschaft« im Munde führt, zu einem Rekruten mit etwas längerem Haar: »Sie Zuhälter-Typ, Sie!« Derselbe Unteroffizier vor der angetretenen Kompanie: »Sie stehen ja da wie ein Makkaroni-Fresser!« oder: »Wir sind doch keine Beute-Russen!«
Ein Stabsunteroffizier zu Gefreiten, die SPIEGEL-lesend auf dem Bett liegen: »Ihr Kommunisten, Ihr!«
Ein Ausbildungsgefreiter zu mir in Anspielung auf meinen Beruf: »Sie denken wohl auch beim Maschinengewehr-Auseinandernehmen an Ihre dreckigen Schmierereien«. Dieser Ausbilder machte dann im Unterricht eine heute noch durch Zeugen zu belegende Bemerkung, an deren Wahrheitsgehalt man am liebsten nicht glauben möchte: »Wissen Sie, von diesen Dreckjuden sind gar nicht genug umgekommen.« Beim Grundausbildungs-Abschiedsabend trugen Mannschaftsdienstgrade den Gefreiten auf Schultern durch die Kneipe.
Man kann nur hoffen, daß ich mich irre, aber ich glaube, daß diese Zitate symptomatisch für die Bundeswehr sind.
Hamburg JÜRGEN BERTRAM
Es ist nicht bei den drei Glaubenssätzen geblieben. Das Bundeswehr-Credo ist auf eine stattliche Anzahl von Ich-Glaube-Sätzen angewachsen, so zum Beispiel:
Ich glaube, es geht los. (Meist noch durch »Ja schiel ich denn?« bekräftigt). Ich glaube, mein Schwein pfeift. Ich glaube, mein Goldfisch hat die Tage.
Ich glaube, mein Panzer humpelt.
Ich glaube, mein' Oma geht mit Elvis. Ich glaube, mein Stahlheim hat 'nen Knutschfleck.
Ich glaube, ich bin im Wald.
Tübingen GODHARD O. A. TIETZE
HANDKÜSSE NACH SPIEGEL-BILDERN IN NR 43 UNVORSCHRIFTS-MÄSSIG UND UNFEIN STOP DER HERR HAT DER DAME BEIM HAND-KUSS INS AUGE ZU SEHEN STOP
Wanne-Eickel ENNO HESSE
Wie schön sagte es schon Heinrich Heine;
Nun laufen sie wieder wie einst herum -- Geschniegelt und gebügelt
Als hätten sie verschluckt den Stock, Mit dem man sie einst geprügelt!
Mühlheim (Main) HERBERT HEYNE Karikaturist