Richtiger Deckel - DER SPIEGEL
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WOHNEN Richtiger Deckel

Ein neuer Service in den Großstädten: Mietzentralen vermitteln Wohnungen für wenige Wochen oder Monate. *
• aus DER SPIEGEL 46/1987
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dem jungen Bassisten aus Bonn, der an einem vierwöchigen Popmusiklehrgang in Hamburg teilnehmen wollte, konnte geholfen werden. »Den stecken wir mit dem Gitarristen aus Koblenz zusammen«, entschied Sylvia Miethe, Begründerin der Hamburger Mitwohnzentrale.

Elf andere Musiker, die sich bei ihr meldeten, konnte sie ebenfalls rechtzeitig in Wohnungen oder Wohngemeinschaftszimmern unterbringen. Seit vier Monaten betreibt Sylvia Miethe ihren Wohnvermittlungsdienst. Die Resonanz ist so groß, daß die 28jährige Sozialarbeiterin sich jetzt nach einem größeren Büro umsehen will.

Auch in München, Hannover, Essen und Kassel gibt es inzwischen die hilfreiche Wohnraumbeschaffung für Kurzzeit-Mieter. Heidelberg, Frankfurt, Münster und Köln wollen bald nachziehen.

Die erste Zentrale dieser Art entstand vor einem Jahr in Berlin, wo es inzwischen fünf verschiedene Wohnungshelfer gibt. Zwei pfiffige Studenten hatten eine Marktlücke entdeckt: vorübergehend leerstehende Wohnungen. Olaf Sachse und Gunnar Kleinecke besorgten Berlinern, die verreisten, zahlende Untermieter - für Tage, Wochen oder Monate. Die beiden Alternativmakler merkten schnell, wie groß der Bedarf an einem derartigen Service ist. »An Spitzentagen im Sommer konnten wir 30 Wohnungen pro Tag vermitteln«, erklärt Kleinecke.

Die Vermittlungsgebühr hängt ab von Mietpreis und Mietdauer. In Hamburg kostet ein WG-Zimmer rund 350 Mark im Monat. Sylvia Miethe kassiert außerdem drei Monate lang zehn Prozent der Gesamtmiete. Wem das zu teuer ist, den verweist Frau Miethe kühl auf die Hamburger Pensions- und Hotelpreise.

Doch die meisten Anrufer seien von dem neuen Angebot begeistert, behauptet sie. Die Kurzzeit-Mieter fühlten sich in einer Wohnung mit Büchern und Bildern weniger heimatlos als in einem Hotelzimmer.

Zu den Untermietern auf Zeit gehören Studenten aus Amerika, Schweden und Israel ebenso wie Geschäftsleute oder Schauspieler, die für eine Saison die Stadt wechseln müssen. Bei den Anbietern sieht es ähnlich aus.

Die Befürchtung der Jungunternehmer, betuchte Mieter würden Tisch und Bett nicht irgendwelchen Fremden überlassen, erwies sich als unbegründet. Ärzte, Professoren und Rechtsanwälte stehen mit noblen Etagenwohnungen inzwischen ebenso in der Liste wie schlichte Wohngemeinschaftszimmer und Studentenbuden. »Um für jeden Topf den richtigen Deckel zu finden, ist so eine Mischung ganz wichtig«, meint Kleinecke.

Nicht alle Anbieter wollen Geld von ihren Gästen. Manchen geht es mehr um die Pflege von Katzen, Zierfischen und Topfpflanzen. So konnte Sylvia Miethe kürzlich ein Haus in Hamburg-Wandsbek vermitteln, in dessen Garten lediglich die Apfel- und Pflaumenbäume geschüttelt werden mußten.

Um alle Beteiligten zufriedenzustellen, überlegen sich die Makler genau, welche Interessenten zusammenpassen. Zu Schwierigkeiten sei es bisher noch nicht gekommen: »Die fremden Gäste benehmen sich offenbar viel disziplinierter als Freunde«, beschreibt Kleinecke die bisherigen Rückmeldungen.

Offenkundig voller Vertrauen wird Sylvia Miethe demnächst drei Wochen nach Tunesien verreisen. Ihre Wohnung dient derweil einer Malerin als Atelier.

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