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Robot, übernehmen Sie!

Sie putzen, laufen, spielen und sollen demnächst auch Senioren pflegen - Roboter sind die Stars auf der Expo in Japan.
• aus SPIEGEL Chronik 54/2005
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit einladender Handbewegung weisen die drei Hostessen mit eingefroren wirkendem Lächeln auf Japans Zukunft - eine Roboter-Familie, deren Mitglieder dereinst die Mühen des Alltags wenn nicht übernehmen, so doch zumindest erleichtern sollen.

Rechts außen der stämmige Sohn - so drängt es sich dem Zuschauer auf - sieht zwar schimpansenähnlich aus, doch die Arbeit im Garten wird er gewissenhaft ausführen. Seine zierliche Schwester neben ihm wird die kranken Großeltern stützen und umsorgen. Für den Rest familiärer Notwendigkeiten ist der Robot-Vater da, von bulliger Statur, mit kräftigen Schultern, die Oberschenkel gebeugt, bereit zu Sprung und Einsatz. Nur die Aufgaben der Dame im Plisseerock erschließen sich nicht auf Anhieb. Die Lady in Red könnte auf dem Sprung in die Oper sein, worauf die zierlichen, wenn auch mickymausartigen Hörmuscheln deuten.

Die Familienshow mit Maschinenwesen gehört zur Hauptattraktion der diesjährigen Weltausstellung: Auf dem Expo-Gelände der japanischen Millionenmetropole Nagoya, Hauptstadt der Präfektur Aichi, glänzt die Weltwirtschaftsmacht Japan mit einer Heerschar künstlich intelligenter Maschinen in Menschengestalt.

Eintönige Schwerstarbeiten wie Schweißen, Stanzen und Schrauben verrichten Hunderttausende Roboter mittlerweile in Autofabriken und Stahlwerken. Zum Vorreiter dieser Robot-Revolution wurde Japan, das nach dem Ölschock Anfang der siebziger Jahre immer mehr Arbeitsabläufe automatisierte, um Personalkosten zu sparen. Dort ist etwa die Hälfte der weltweit rund 700 000 Industrieroboter im Einsatz.

Nun aber sollen die Automaten auch ins Alltagsleben des japanischen Bürgers eindringen. Nach den Hochrechnungen der Demografen vergreist das asiatische Industrieland so rasch wie kein anderes - schon 2050 wird jeder dritte Japaner über 65 Jahre alt sein. Statt ausländische Pflege- und Hilfskräfte ins Land zu holen, will die um ihre Kultur besorgte Nation diesen Bedarf lieber mit heimischen Maschinenwesen decken.

Auf der Expo in Aichi versuchen die japanischen Roboter-Hersteller, diesen gesellschaftlichen Umbruch sachte vorzubereiten. Dort zeigen die Roboter ihre Fähigkeiten nicht nur in abgegrenzten Arealen, sondern tummeln sich auch unter den Besuchern. Für die Hersteller ist dieser Feldversuch eine Art Generalprobe, dass ihre bislang zumeist nur unter kontrollierten Bedingungen getesteten Produkte auch im wirklichen Leben zurechtkommen mit plötzlich auftauchenden Hindernissen, etwa tobenden Kindern oder behinderten Omas.

Andererseits wollen Sony, Honda, Toyota & Co. ihren potentiellen Kunden zeigen, dass Roboter dereinst ernsthafte Partner im Alltag sein werden. Sie taugen, so ihre Fürsprecher, zu mehr als nur Rasenmähen oder Toilettenschrubben.

Die zunehmend lernfähigen Maschinenwesen, die auf der Expo als zweibeinige Prototypen japanischer Herkunft auftreten, wuseln durch die Expo-Hallen, spielen mit Kindern, tanzen mit deren Eltern oder fegen nachts das Areal und klauben Abfälle auf.

Keiner der bis zu 250 000 täglichen Besucher vermag die putzigen Roboter zu übersehen. Schon die Empfangsdame, eine Frau namens »Actroid« aus den Forschungswerkstätten des Tokioter Roboter-Spezialisten Kokoro, ist in ihrem froschgrünen Kostüm mit passendem Jackie-Kennedy-Hut fast menschlich geraten; intelligent überdies. Auf einfache Fragen kann sie mit insgesamt 40 000 Phrasen antworten, je nach Fragesteller und Bedarf in Japanisch, Chinesisch oder Englisch.

Eher plump und bedingt bewegungsfähig, doch stets futuristisch nahmen sich die Roboter aus, die von Ingenieuren und Tüftlern im vergangenen Jahrhundert als »Maschinenmenschen« Premiere hatten. Vom tschechischen Theaterdichter Karel Capek stammt der Name; 1921 gelangte sein Stück über die fiktive Firma »Rossums Universelle Roboter«, die Schwerstarbeit ("Robota") leisteten, zur Uraufführung. Babelsberg und Hollywood machten Roboter kinotauglich. Sie treiben ihr Wesen von Fritz Langs »Metropolis« bis hin zu den »Star Wars«-Episoden des George Lucas.

Inzwischen sieht offenbar auch China in der Roboter-Entwicklung einen Weg, mit der technologischen Großmacht Japan gleichzuziehen. In perfekt aufrechtem Gang schritt ein fackeltragender Roboter-Riese bei den Nationalen Meisterschaften in Nanjing durch das Stadion und entzündete das Eröffnungsfeuer.

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