ROBOTER - DER SPIEGEL
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Briefe

ROBOTER
• aus DER SPIEGEL 33/1955
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

ROBOTER

(Nr. 31/1955, Industrie)

In Ihrem Artikel »Die Roboter sind unter uns« (oder noch schlimmer: »Die Revolution der Roboter") haben Sie, finde ich, diesmal nicht die verschiedenen Meinungen

so wohl assortiert, wie ich es bei Ihnen gewohnt bin. Ich vermisse diejenigen Meinungen, die glauben, daß die Arbeitslosigkeit vielleicht gar nicht so schreckliche Formen - fünf bis sechs Millionen in USA - annehmen wird ... Vermutlich wird der Kreis der automatisierungsreifen Fabrikationsvorgänge zu weit gezogen ... und die Schnelligkeit des Umstellungsprozesses überschätzt. Vergesse man nicht, daß selbst im modernsten und kapitalkräftigsten Industrieland der Welt über die Hälfte der verwendeten Maschinen heute noch auf der Technik von 1945 (und vorher) und daß rund ein Fünftel - zumindest in wesentlichen Industriezweigen - auf den Erkenntnissen des Jahres 1935 fußen.

Es werden strukturelle Wandlungen eintreten, denn Automatisierung stellt qualitativ andere Anforderungen an den Menschen. Massenarbeitslosigkeit aber scheint kein notwendiges Ergebnis. Gleichermaßen denkbar und mit manchem Argument zu begründen erscheint eine allmähliche Erhöhung der Produktivität, die die Kaufkraft hebt und eventuell sogar gewisse Arbeitszeitverkürzungen erlaubt - jedoch kaum in einer solchen Größenordnung, daß dadurch eine Diskussion über die Bedenklichkeit von zuviel Freizeit entfacht werden muß ...

Frankfurt

HARTMUT SACHS Diplom-Kaufmann

»Sekretärinnen, die ihren Beruf nur als Nebenbeschäftigung bis zur Heirat ausüben, werden künftig keine Chance mehr haben. Gefragt sind nur noch perfekte Büromaschinenwärter ...« - so steht es bei Ihnen zu lesen. Es darf Ihrem Berichterstatter einmal gesagt werden, daß Sekretärinnen mit der von ihm geschilderten Berufsauffassung keine Sekretärinnen sind, sondern Aushilfskräfte. Zum anderen hat Ihr Büroschreck (und alle, die obige These vertreten) offenbar keine Ahnung von den

Arbeitsvorgängen eines Büros; sonst müßte er wissen, daß sich gerade die Tätigkeit der von ihm geschmähten Sekretärin weitgehend der Technisierung entzieht, bzw. daß die Technik hier nie mehr als willkommene Hilfsmittel bieten kann.

Hamburg

VERA OELKERS

Ich finde es großartig, daß die Menschen immer mehr von ihren unangenehmen Arbeiten befreit und für andere, wichtigere und schönere Aufgaben frei gemacht werden.

Meschede

IRMGARD KAHLING

Vielleicht haben Herr Watson und Robotergenossen bald das Vergnügen, Mediziningenieure und -techniker anstellen zu können. Es wäre dann allerdings den jetzigen Medizinstudenten dringend zu raten, ab sofort Vorlesungen an der Technischen Hochschule zu belegen, um nicht ins Hintertreffen zu kommen ... In der Tat: Wir gehen herrlichen Zeiten entgegen!

Gingen

DR. MED. FRITZ BAUMGARTEN

Das von Ihnen so gründlich studierte wichtige Zeitproblem der Automation hatte ich bereits vor einiger Zeit durch die Lektüre

eines hervorragend geschriebenen Buches kennengelernt: »Die Roboter sind unter uns« von Rolf Strehl*).

Vielleicht interessiert die SPIEGEL-Leser, die sich - durch Ihren Aufsatz angeregt - noch eingehender mit dem Thema der Automation auseinandersetzen wollen, dieser und folgender Hinweis: Wie ich vor einigen Tagen erfahren habe, ist das von Ihnen erwähnte Buch des Roboter-Professors Wiener »The Human Use of Human Beings« jetzt unter dem Titel »Mensch und Menschmaschine« in deutscher Sprache erschienen**).

Hannover

DR.-ING. H. NIEBYLL

Merke: Die »Druckknopf-Fabrik« stellt ausschließlich her Druckknöpfe.

Aber: Die »Knopfdruck-Fabrik« braucht keine denkenden Köpfe.

Boostedt

HERBERT SCHIWEK

*) Rolf Strehl: »Die Roboter sind unter uns«, Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg (Oldbg.), 50 Abbildungen, 320 Seiten, 12,80 Mark. **) Norbert Wiener: »Mensch und Menschmaschine«, Alfred Metzner Verlag, Frankfurt (M), 212 Seiten, 12,50 Mark. Ihr sehr interessanter Artikel über Walter Reuther und die automation zeigt, wie jetzt auch in den bisher noch einigermaßen freien Demokratien die Gewerkschaftsführung leider immer mehr in die Staatsführung eingreift; daß wirklich freies Unternehmertum und freies Arbeitertum immer mehr unterdrückt werden und wir mit Riesenschritten einem neuen staatlichen Zunfttum mit allen seinen Freiheitsbeschränkungen, wie Ausschaltung der Anwendung neuer Erfindungen, Ausschaltung persönlicher Unternehmerinitiative usw., entgegengehen. Die dummen Theorien der Gewerkschaften werden uns, wenn ihnen nicht Einhalt geboten werden kann, sehr bald in ein neues Mittelalter ... zurückwerfen.

Hamburg

JOHANNES P. H. MEYER

Das geschickte Eintreten Reuthers für die menschliche Arbeitskraft gegen das drohende Gespenst der Vollautomatisierung sollte den europäischen Gewerkschaftsführern Vorbild und Ansporn sein. Hier ist ihr Aufgabenbereich. Darauf sollten sie ihre ganze Kraft konzentrieren, nicht um als Maschinenstürmer tätig zu werden, sondern um mit aufgeschlossenem Geist dieses gewaltigste soziale Problem der Gegenwart und Zukunft lösen zu helfen.

Düsseldorf

GEORG HOWALD

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