Roter Dior - DER SPIEGEL
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SOWJETZONE Roter Dior

• aus DER SPIEGEL 43/1965
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Der ehemalige Offizier und jetzige

Schneider Heinz Bormann aus der DDR fand, was der ehemalige Tischler und jetzige DDR-Staatschef Walter Ulbricht vergebens erstrebt: internationale Anerkennung.

Seit Jahren schon halten Modegeschäfte zwischen Amsterdam und Moskau Kleider, Mäntel und Kostüme aus Bormanns Magdeburger Atelier feil, und in der vorletzten Woche präsentierte der Couturier aus der mitteldeutschen Zuckerrüben-Metropole im schwarzen Smoking mit roter Schleife seine Kreationen zum erstenmal auch in der Bundesrepublik.

In Essen, Düsseldorf, Dortmund, Bochum, Krefeld und Duisburg zeigten seine fünf Mannequins den Damen von Rhein und Ruhr die neueste Kollektion des »in den sozialistischen Ländern einzigen Modehauses internationalen Formats« (Bormann-Prospekt). Das Angebot reichte vom Kaminrock bis zur Abendrobe - allesamt, wie die Düsseldorfer »Rheinische Post« resümierte, »Modelle mit Pariser Pfiff«.

DDR-gefertigter Garderobe den Hauch kapitalistischer Noblesse zu geben, hat Bormann, 47, in Paris gelernt. Dort holt sich der »rote Dior« - so Bormanns Manager Stahlschmidt - Jahr um Jahr Anregungen für seine eigenen Entwürfe, die er selbst »schlicht, aber nie hausbacken« nennt.

Den Vorzug, die Sowjetzone stets ungehindert verlassen zu dürfen, verdankt der Magdeburger Damenausstatter der Tatsache, daß seiner Nadel Arbeit der DDR zum modischen Weltniveau verholfen hat. Dabei fand Ulbrichts erfolgreichstes Schneiderlein erst als Spätberufener zu Zwirn und Schere: Der stellungslose Oberleutnant Bormann hängte 1945 den bunten Rock an den Nagel und übernahm das Kommando im Betrieb seiner Schwiegereltern in Schönebeck an der Elbe. Fortan befehligte er 30 Näherinnen nebst ein paar alten Nähmaschinen und fabrizierte Herrenanzüge.

Zehn Jahre später sattelte der Schneider abermals ums Ehefrau Johanna hatte in Magdeburg ein Damen-Atelier eröffnet, und ihre Modelle fanden zwischen Elbe und Oder so viel Anklang, daß Bormann seine Produktion auf Damenoberbekleidung umstellte und sich in Magdeburg an der Großen Diesdorfer Straße 249 etablierte.

Das Unternehmen florierte. Und schon im Jahr darauf, 1956, bekam der, DDR-Couturier einen Partner: Die Arbeiter-und-Bauern-Macht wandelte die Schneiderei in eine Kommanditgesellschaft um und beteiligte sich unaufgefordert mit 60 Prozent. Bei der Arbeit jedoch halten sich Bormanns stille. Teilhaber zurück. Der halbenteignete Modeschöpfer versichert: »Der Staat redet mir nicht herein. Ich bin mein eigener Herr.«

Dank der staatlichen Zurückhaltung geht es weiter aufwärts Jährlich verlassen 140 000 Konfektionskleider und 10 000 Modelle den Bormann-Staatsbetrieb. 300 Näherinnen sticheln für ein Monats-Salär von 450 bis 500 Mark nach den Entwürfen des Meisters.

Über die Hälfte der Konfektionsware exportiert Bormann in westliche und östliche Länder. In die Bundesrepublik liefert er via Interzonenhandel rund 30 000 Kleider. Sie werden - ohne Bormann-Etikett - in Warenhäusern des. Kaufhof- und Horten-Konzerns angeboten.

Künftig aber sollen bundesdeutsche Damen nicht nur Bormann-Kleider von der Stange tragen. Mit seiner Modeschau an Rhein und Ruhr hofft der »rote Dior« auch seine billigen Modell -Kreationen (200 bis 400 Mark) ans die Frau zu bringen. Die Stoffe dafür importiert er aus Frankreich, der Schweiz, Italien und der Bundesrepublik. Denn, so gesteht Bormann: »Mit unseren Stoffen allein könnte ich solche Kleider nicht machen.«

Zonen-Couturier Bormann, Mannequins: Pariser Pfiff ...

... aus der Zuckerrüben-Metropole: Bormann-Modelle

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