TÜRKEI Rotes Telefon zum Weißen Haus
Auf weitgehende Zugeständnisse hat sich die Türkei für den Fall eines US-Angriffs auf den Nachbarn Irak eingelassen. Hatte Ankara bislang einen Militärschlag gegen Saddam Hussein kategorisch abgelehnt, traf der stellvertretende Pentagon-Chef Paul Wolfowitz bei seinem Besuch vergangene Woche auf eine »flexiblere« Haltung: Türkische Soldaten, so Generalstabschef Hüseyin Kivrikoglu, würden US-Operationen im Nordirak unterstützen, nicht aber den Vormarsch auf Bagdad. Ankara knüpft diese Zusage jedoch an Bedingungen - sollte US-Präsident Bush gegen Bagdad losschlagen, will die Türkei einen direkten Draht, eine Art Rotes Telefon, zum Weißen Haus. Wolfowitz, heißt es aus Regierungskreisen, zeige sich konziliant, auch türkischen Bedenken gegen die Gründung eines unabhängigen Kurdenstaats im Nordirak gegenüber. Der Grund: Die USA haben wenig strategische Optionen. Während die Offensive im Golfkrieg 1991 von Süden geführt wurde, dürfte diesmal der Norden Aufmarschbasis sein; die türkischen Luftwaffenbasen in Incirlik und Diyarbakir würden als Drehkreuze des Angriffs dienen. Ankara wiederum steht unter politischem Druck - das geschwächte Kabinett Ecevit braucht US-Unterstützung, um das laufende Kreditprogramm des IWF aufrechtzuerhalten; eine europafreundliche Nachfolgeregierung, die aus den Wahlen im November hervorgehen könnte, ist auf Washingtons Fürsprache in Brüssel angewiesen.