ÄQUATORIALGUINEA Rüde Methoden
Viel hat ein Fremder nicht zu erwarten in Äquatorialguineas Hauptstadt Malabo und deren Umgebung. Die einstige spanische Kolonie, flächenmäßig fast so groß wie Brandenburg und einwohnerstark wie Hannover, war einst ein verschlafener Kaffee-und-Kakao-Staat: Das Telefonbuch hatte zwei Seiten, zwei Autos auf der Straße waren ein Stau, und das einzige Hotel verfügte weder über Strom noch fließend Wasser. Laut »Guardian« waren die damaligen Machthaber gar bereit, die Regierungsgewalt für das verarmte Staatsgebilde - ein paar Inseln und ein Streifen Festland zwischen Kamerun und Gabun - für 559 000 britische Pfund an Kamerun zu verscherbeln.
Doch seit Anfang der neunziger Jahre riesige Ölfelder gefunden wurden, ist Äquatorialguinea Schwarzafrikas viertgrößter Ölproduzent; große amerikanische Fördergesellschaften geben sich in Malabo die Klinke in die Hand. 80 Prozent der Einkünfte aus dem einträglichen Geschäft freilich sollen nach Schätzung der Vereinten Nationen in die Taschen des Diktators Teodoro Obiang Nguema und seiner Entourage fließen.
Der Staatschef befindet sich zurzeit im Mittelpunkt einer Polit-Groteske, in deren Strudel mittlerweile gar der Sohn von Britanniens Eiserner Lady, Sir Mark Thatcher, geraten ist. Der Dandy, vorige Woche in seinem Wohnort bei Kapstadt vorübergehend verhaftet, soll hinter einem gemeingefährlichen Putschversuch stehen. Das Opfer sollte angeblich Obiang sein. Der paranoide Präsident, der 1979 durch einen Umsturz an die Macht kam und seinen Onkel hinrichten ließ, wird von einer 200-köpfigen marokkanischen Leibgarde geschützt. Alle paar Jahre wittert er eine neue Verschwörung gegen sich.
Bereits Anfang März wurde das angebliche Komplott aufgedeckt. Da verhaftete die Polizei in Äquatorialguinea zahlreiche Ausländer: den vermeintlichen Drahtzieher des Umsturzversuchs, den Südafrikaner Nick du Toit, einige Kasachen und Armenier, einige Äquatorialguineer und auch einen Deutschen: Gerhard Eugen Merz, tätig für eine Firma aus Offenbach.
Schon nach acht Tagen Haft im berüchtigten Black-Beach-Gefängnis am Stadtrand von Malabo starb Merz - an einer nicht behandelten Malaria, sagen die einen; totgefoltert, sagen Menschenrechtler. Das Land ist bekannt für die rüden Methoden im Umgang mit seinen Gegnern.
Ungefähr zeitgleich zu den Verhaftungen in Malabo wurde in Simbabwes Hauptstadt Harare eine Boeing festgehalten, in der sich über 60 schon etwas betagte Söldner aus Südafrika befanden, die ehedem zumeist im »Bataillon Buffalo«, einer Sondereinheit des Rassistenregimes, dienten.
Im Gepäck hatte die illustre Reisegruppe nur Bolzenschneider, Pfefferspray und Vorschlaghämmer. Und der Flug sollte auch nur bis Burundi gehen. Dennoch präsentierten Simbabwes Häscher die Männer als jene, die Äquatorialguineas Präsidenten stürzen wollten. Dann ging ihnen noch Simon Mann ins Netz. Der 51-jährige Mitbegründer der Söldneragentur »Executive Outcomes« ist ein Freund Thatchers. Die Simbabwer behaupteten, er habe mit dessen Geld Waffen für den Putsch besorgen wollen: Kalaschnikows, Mörsergranaten und Munition. Deshalb wird den angeblichen Umstürzlern nun der Prozess gemacht: den einen in Harare, den anderen in Malabo, weil Südafrika auf die Auslieferung seiner daheim nur »white trash«, weißer Abschaum, genannten Staatsbürger generös verzichtete. Ein Ende der Polit-Posse ist damit noch nicht in Sicht. Vorigen Freitag sprachen Richter in Harare Simon Mann zwar schuldig, den Kauf gefährlicher Waffen betrieben zu haben. Dem britischen Ex-Offizier drohen bei der Urteilsverkündung am 10. September bis zu zehn Jahre Gefängnis.
66 mitangeklagte Söldner indes, der Großteil der vermeintlichen Putschtruppe, wurden vom Gericht freigesprochen. Sie müssen sich lediglich noch wegen Einreisevergehen verantworten. THILO THIELKE