INTERNATIONALER WÄHRUNGSFONDS Rüde Worte
Mit einem dreisten Schachzug hatte US-Finanzminister Lawrence Summers noch zwei Wochen vor der Wahl des neuen IWF-Präsidenten versucht, den Deutschen Horst Köhler zu Fall zu bringen.
Ein Abgesandter des US-Finanzministers Summers erschien am 10. März unangekündigt in Köhlers Büro bei der Osteuropa-Bank. Eine halbe Stunde plauderten die beiden Finanzexperten freundlich, dann war Schluss mit der Verbindlichkeit. Die Supermacht Amerika rate Köhler dringend, so der Summers-Abgesandte, seine Ambitionen zu zügeln und freiwillig auf den prestigeträchtigen Posten beim Internationalen Währungsfonds zu verzichten: »Wenn nicht, wird Washington dafür sorgen, dass Sie scheitern.«
Köhler warf den US-Beamten mit rüden Worten aus seinem Büro. Dann informierte er das Kanzleramt in Berlin. Schröders Helfer waren entsetzt. Besorgt erkundigte sich ein hoher Berliner Beamter im Weißen Haus, was die grobe Demarche bedeuten solle. Dabei erwies sich: Präsident Bill Clinton wusste nichts von Summers' Aktion, sein Finanzminister hatte eigenmächtig versucht, Köhler in letzter Minute zum Amtsverzicht zu pressen.
In Berlin erregen sich Schröder-Beamte noch heute über ein besonderes Detail des transatlantischen Vorstoßes. Der Summers-Bote war, wie bei Mafia-Drohungen üblich, von relativ niederem Rang, »irgendwas zwischen Referent und Unterabteilungsleiter«.