Russell Sage
Russell Sage , 34, britischer Modedesigner, begab sich auf der Londoner Modewoche auf abseitige Wege. Statt auf dem Laufsteg bei wummerndem Soundtrack 40 und mehr Modellkleider samt viel Haut und Strapsen vorzuführen, lud er ein in das Haus des viktorianischen Denkers und Dichters Thomas Carlyle (1795 bis 1881). Dort zeigte er gerade mal neun Kleider, gefertigt aus alten Möbelstoffen, vorgeführt von Tänzerinnen statt der üblichen Models. »Andere haben berühmte Models«, er habe ein »berühmtes Sofa«, sagte Sage, von der Geschichte des Hauses sichtlich angetan: »Auf dem Sofa saßen schon Dickens und Darwin.« So ähnlich sahen auch die Kleider aus. Ein Top war gefertigt aus Vorhangfutterstoff, eingefasst nach dem Vorbild eines besonders aufwendig gearbeiteten Tischtuchs. Ein handbestickter Morgenmantel ähnelte jenem, mit dem sich Carlyle hatte porträtieren lassen. Sage, der schon mal 20 000 britische Pfund in Banknoten zu einem Kleid verarbeitet hat, wirbt für seine Retro-Mode mit der Parole »Zurück zum Wesentlichen« - er konzentriere sich auf »richtige Kleider«.