EUROPA Russland in die EU?
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat den Rat der EU-Außenminister mit der Forderung verblüfft, Russland in die Europäische Union aufzunehmen. Er sei kürzlich in Moskau gewesen, berichtete Mitte Mai der Italiener, der in Personalunion das Amt des Außenministers innehat. Russland sei ein christliches Land. Nach der De-facto-Aufnahme in die Nato könne man Russland den Einzug in die EU nicht verwehren. In Brüssel wird nun gerätselt, welche Motive Berlusconi haben könnte. Bisher gilt in der EU als ausgemacht, dass mit der anstehenden Erweiterung der Union um Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, die Slowakei und die drei baltischen Staaten sowie der für einen späteren Zeitpunkt geplanten Aufnahme von Bulgarien, Rumänien und Staaten des ehemaligen Jugoslawien die Grenze der Ostausdehnung der Union erreicht sei. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hatte kürzlich noch erklärt, Russland sei zu groß und passe nicht in die Europäische Union. Hinter Berlusconis Vorstoß, hieß es in der Kommission, würden entweder politischer Dilettantismus oder sogar unfreundliche, womöglich in Washington ausgeheckte Absichten stecken. Der Wunsch nach Russlands EU-Mitgliedschaft könne darauf abzielen, die Union in ähnlicher Weise zu entwerten, wie mit der Aufnahme des Gegners von einst auch die Nato als Militärbündnis entwertet wird.