SAAR - DER SPIEGEL
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Briefe

SAAR
• aus DER SPIEGEL 17/1954
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SAAR

(Nr. 13/1954, Briefe)

An SPIEGEL-Leser Scherl: Ihre Zuschrift zu dem in Nummer 12/1954 erschienenen Saar-Artikel (Verfasser Jens Daniel) habe ich gelesen. Ich gestatte mir, Ihre Ansicht zu korrigieren. Die Auffassung des SPIEGEL deckt sich vollständig mit derjenigen aller deutsch denkenden und fühlenden Menschen an der Saar. Zweifelsohne haben Sie recht, wenn Sie zum Ausdruck bringen, daß ein derartiger Wille der Saarbevölkerung bisher keinen Ausdruck erfahren hat. Sie glauben weiterhin, daß man die Verhältnisse im Saargebiet nicht mit denjenigen der verlorenen Ostgebiete gleichsetzen könne. An der Saar hätten keine gewaltsamen Austreibungen stattgefunden. Auch hätten die Leute nicht ihre Habe verloren.

An der Saar haben wohl Austreibungen stattgefunden, wenn man diese auch mit dem sanfteren Wort Ausweisungen bezeichnen kann, doch im Endeffekt bleiben sich Austreibungen und Ausweisungen gleich. Wenn die davon Betroffenen auch nicht ihrer gesamten Habe verlustig gingen, so trugen sie doch zumindest mehr oder weniger großen wirtschaftlichen Schaden davon. Der Unterschied zwischen den Verhältnissen im Saargebiet und denjenigen in der Ostzone bzw. jenseits von Oder-Neiße ist also nur ein gradueller und spielt deshalb für die Frage der wirklichen Meinungsbildung der Bevölkerung auch gar keine Rolle. Es ist völlig gleichgültig, ob die Menschen durch relativ geringfügige Unterdrückungsmaßnahmen nicht dazu in der Lage sind, ihren wirklichen Willen zum Ausdruck zu bringen und sich eine unbeeinflußte Meinung zu bilden, oder ob die Freiheit unterdrückt wird durch Methoden, wie sie bei den Sowjets geläufig sind. Das Ergebnis - und darauf kommt es an - ist in beiden Fällen dasselbe. Es fehlt an einer wirklichen demokratischen freien Meinungsäußerung ...

... sind alle Parteien verboten, die die Meinung zum Ausdruck bringen wollen, das Saargebiet solle in Zukunft bei Deutschland bleiben. Die einzige Ausnahme besteht für die Kommunistische Partei, die seit 1946 mehr oder weniger frei und unbehindert erklären kann, daß das Saargebiet ein Teil Deutschlands sei und mit diesem wiedervereinigt werden müsse. Finden Sie das nicht sonderbar?

Neben dem Verbot der Parteien kann niemand eine Versammlung abhalten, eine Zeitung herausgeben, Flugblätter drucken lassen oder verteilen. Kurzum, es fehlt an allen demokratischen Rechten, die das Wesen der wirklichen Meinungsbildung ausmachen. Die Franzosen und die von ihnen abhängigen führenden saarländischen Politiker wissen ganz genau, daß sie nur bei Aufrechterhaltung dieses Zustandes der Unfreiheit und Unterdrückung der freien Meinung zu dem gewünschten Ziel kommen können ...

Ich glaube, daß Sie, würden Sie in unserem Gebiet leben und unser Schicksal teilen, keine andere Auffassung haben würden.

Riegelsberg

Josef Frisch

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