GOLFSTAATEN Saddams Erbe
Pläne der Golfstaaten für eine neue Eisenbahnstrecke entlang der Arabischen Halbinsel sorgen in Washington für Verärgerung. Der neue Schienenstrang über 1600 Kilometer vom Sultanat Oman über die Vereinigten Arabischen Emirate, den Osten Saudi-Arabiens nach Kuweit ist politisch brisant. Da von der irakischen Hafenstadt Umm Kasr unmittelbar an der Grenze zu Kuweit bereits eine Bahnverbindung nach Bagdad besteht, käme das mehrere Milliarden Dollar teure Projekt langfristig auch dem amerikanisch kontrollierten Wiederaufbau des besetzten Irak zugute. Entgegen amerikanischen Wünschen wollen die Golfstaaten den Auftrag für den Bahnbau aber an ein europäisches Konsortium vergeben. »Die Amerikaner haben auf dem Sektor nichts zu bieten«, sagt ein ägyptischer Experte, »die orientieren sich doch selbst schon seit Jahren an der weltweit führenden Technologie aus Frankreich und Deutschland.« Fachleute aus Kairo arbeiten gegenwärtig in Abu Dhabi mit einheimischen Verkehrsplanern an einem Gesamtkonzept für das Mammutprojekt. Es geht zurück auf einen alten Vorschlag von Saddam Hussein. Der irakische Präsident hatte schon 1990 nach dem Überfall auf Kuweit vorgeschlagen, eine entsprechende Verbindung zu bauen. Geplant ist nun eine Hochleistungsstrecke, die sowohl für Schwergüterverkehr mit hohen Achslasten als auch für moderne Hochgeschwindigkeitszüge ausgelegt ist.