Samt Etta - DER SPIEGEL
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Schiller Samt Etta

Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller versteht es, Urlaubsreisen mit Staatsaktionen zweckmäßig zu koppeln.
• aus DER SPIEGEL 1/1972
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Pünktlich um neun Uhr startete am Heiligabend die Douglas DC-8 der französischen Fluggesellschaft Union des Transports Aériens (UTA) vom Pariser Flughafen Le Bourget. Den Flug LT 839 Paris-Wagadugu hatte ein prominentes Bonner Ehepaar gebucht, das sich zwischen den Jahren in afrikanischer Sonne bräunen und mit einem nahen Verwandten Silvester feiern wollte.

Freilich -- der 7000-Mark-Trip (Preis für ein Erster-Klasse-Ticket Bonn-Wagadugu: 3249 Mark) kostet Karl Schiller und Ministergattin Etta nichts. Denn nach einem schlechten Bonner Brauch nutzte der Finanz-Chef Einfluß und Position, um nach der strapaziösen Washingtoner Währungskonferenz Urlaub auf Steuerzahlers Kosten zu machen.

Die Reisevorbereitungen des seit sieben Monaten verheirateten Paares hatten spät begonnen. Erst als das geplante Gespräch Schillers mit dem amerikanischen Kollegen Connally, das parallel zu dem Gipfeltreffen Brandt/Nixon stattfinden sollte, wegen der Einigung im Währungsstreit überflüssig geworden war, konnten Karl und Etta disponieren.

Es traf sich, daß Joseph Benno Hassner, ein Schwager von Frau Schiller, im afrikanischen Savannenstaat Obervolta als Kontrollbeauftragter des EWG-Entwicklungsfonds Dienst tut und sich auf hohen Besuch freute. Mehr noch: Mitte Januar soll in der benachbarten Republik Niger ein deutsch-nigerianisches Kapitalhilfe-Abkommen über 14,3 Millionen Mark unterzeichnet werden.

Schiller schaltete. Zur Überraschung des Auswärtigen Amtes diente sich der Minister als Signatar für den vergleichsweise bedeutungslosen Vertrag an und orderte zwei Erste-Klasse-Tickets.

Bei »recht frischem Wetter« (Bonns Botschafter in Obervolta, Michael Schmidt) quartierte sich das Ehepaar im Gästehaus der Regierung von Wagadugu ein. Mit Exkursionen in den nahen Busch vertrieben sich die Staatsgäste die Zeit und bereiteten den Gastgebern die Ehre des ersten Ministerbesuchs aus der Bundesrepublik.

Seinen Reise-Trick hatte der Doppel-Minister schon einmal ausprobiert. Anfang Oktober besuchte er -- samt Etta -- das mexikanische Luxusbad Acapulco. Damals hatte ein Gespräch mit dem mexikanischen Staatspräsidenten Echeverría als Grund der Dienstfahrt an den Pazifik hergehalten.

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