Hausmitteilung Scharon
Datum: 5. April Betr.: Scharon
Einen Tag nachdem er die Unruhegebiete im Westjordanland besucht hatte, empfing Israels Verteidigungsminister Ariel Scharon, 53, nach Premier Begin zweitmächtigster Mann des Landes, den SPIEGEL. Zur Frühstückszeit hatte er die Redakteure Johannes K. Engel, Heinz P. Lohfeldt und Henri Zoller auf sein Landgut eingeladen - eine spärlich bewachte Idylle mitteleuropäischen Zuschnitts, etwa 60 Kilometer südlich von Tel Aviv. Ehefrau Lili servierte ofenwarmen Käsestrudel ("selbstgebacken") und »Baby-Pizza«. Zwei Stunden lang sprach Scharon über den Aufruhr in den besetzten Gebieten und über die Gefahren für Israel nach der in Camp David vereinbarten Evakuierung des Sinai am 25. April. In demselben Wohnraum, in dem der Kriegsheld von 1973 seine ehemaligen ägyptischen Gegner zu Gast hatte, um ihnen die existenzielle Bedeutung der Sinai-Räumung für Israel darzulegen, entrollte Sharon nun Karten und Dokumente ("top secret"), mit denen er auch schon zum amerikanischen Verteidigungsminister Caspar Weinberger gereist war. Sie sollten vor Augen führen, wie verhängnisvoll sich der Verkauf amerikanischer »Hawk«-Raketen und F-16-Kampfmaschinen an die Araber auf Israels Sicherheit auswirken könnte: »Wir müssen mit einer Vorwarnzeit von null Sekunden leben.« ("Ich habe nicht aus der Hüfte geschossen«, Seite 138.)