Schatten
Henri Queuille teilt die Sorgen der französischen Hausfrauen: er kommt mit seinem Haushaltsplan nicht zurecht. Auf einer Nachtsitzung des Kabinetts erläuterte er in eigener Sache (als Finanzminister) das französische Budget für 1949. Danach müßte das Steueraufkommen um 25 Prozent gesteigert werden, um den Haushalt auszugleichen. Die Staatsausgaben werden auf zwei Billionen, die Einkünfte dagegen nur auf 1,5 Billionen geschätzt. Als ersten Posten strich Queuille 120 Milliarden Francs für militärische Zwecke in seinem Haushaltsbuch. »Frankreichs Kriegspotential wäre damit geringer als das der Schweiz«, kalkulierte der ehemalige Ministerpräsident Paul Reynaud.
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De Gaulles langer Schatten wächst in dem flackernden Lebenslicht des Queuille-Kabinetts. Die Pariser »Aurore« verkündet, spätestens im Januar 1949 werde de Gaulle ein »Kabinett der Einigkeit« bilden. Als Grund für diese Weissagung wird angeführt, daß Frankreich bis zum 20. 1. 1949 einen ausgeglichenen Haushalt aufweisen müsse, um weitere Marshallhilfe zu erhalten. Ein Ausgleich des Budgets sei nur durch ausländische Anleihen möglich. Die aber setzten internationales Vertrauen in die Stabilität Frankreichs voraus. Und das wiederum könne nur de Gaulle garantieren.