Schatten - DER SPIEGEL
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Schatten

• aus DER SPIEGEL 35/1948
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1200 Theologen aus 42 Ländern vertreten ihre 148 christlichen Glaubensrichtungen auf der Weltkirchenkonferenz in Amsterdam. Auf der ersten Vollversammlung wurde der ökumenische Rat auf Grund der 1938 in Utrecht entworfenen Verfassung feierlich konstituiert. Ziel der zweiwöchigen Besprechungen ist eine Koordination des Wiederaufbaus der europäischen Kirchen und die Ueberbrückung von Meinungsverschiedenheiten in einzelnen Glaubensbekenntnissen. Der drohende Schatten des Kreml fällt auch durch die hohen Fenster der »Nieuwe Kerk« in Amsterdam. Als politischer Exponent des Westens verurteilte der Vertreter der bresbyterianischen Kirche in USA, John Foster Dulles (hauptberuflich außenpolitischer Berater des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Thomas Dewey) den kommunistischen Marxismus als atheistisch und materialistisch. »Seine Führer leugnen die Gesetze der Moral, Durch Gewalt und Zwang beherrschen die kommunistischen Parteien 16 Länder und damit fast ein Viertel Erdbevölkerung.« In ebenso leidenschaftlichen Worten warnte der Prager Theologieprofessor Joseph L. Hromadka die westlichen Demokratien davor, die »vorwärtsdrängenden Kräfte des Kommunismus« zu unterschätzen. Er wandte sich energisch gegen jeden Versuch, das Christentum mit einem der beiden Systeme gleichzusetzen. Obwohl der Kommunismus eine atheistische Lebensform sei, habe er doch viel von dem »sozialen Schwung der lebenden Kirche Christi«. Beide Redner schüttelten sich nach einer mehrstündigen erregten Kontroverse freundschaftlich die Hand Die orthodoxe Kirche Rußlands und die römisch-kath. Kirche nehmen nicht an der Konferenz teil. Aus Deutschland wurden 25 Vertreter verschiedener Bekenntnisse eingeladen.

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58 Teilnehmernationen an der Stockholmer Rot-Kreuz-Konferenz stecken ihre Claims schon auf den Schlachtfeldern des nächsten Krieges ab. Die Russen entschuldigten ihr Fehlen mit einem Anklagebrief. Darin wird dem internationalen Roten Kreuz vorgeworfen, es habe sich während des Krieges nicht scharf genug »gegen die in Deutschland, Italien und Japan begangenen Verletzungen der Genfer Konvention« gewandt. Der Brief hatte rechtzeitig Molotows östlichen Lesezirkel durchlaufen, so daß auch von der Tschechoslowakei und den Balkanländern gleichlautende Entschuldigungszettel eintrafen. Ueberraschend tauchten Dr. Valery Burtow und Professor Boris Patschkow als »inoffizielle« russische Beobachter in Stockholm auf. Die Arbeitsausschüsse der Konferenz geben den veralteten Kriegsspielregeln den fälligen New Look. Ein amerikanischer Antrag, in Feindeshand geratene Aerzte und Sanitäter als Kriegsgefangene zu behandeln um sie zur Pflege ihrer Mitgefangenen einzusetzen, wurde mit 31:8 Stimmen abgelehnt. Die Genfer Konvention von 1929 sieht für ärztliches Personal einen Immunitätsstatus vor, der auch einen Austausch einschließt.

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