Schatten
Interessant, - die Zuschrift des Herrn Joubert aus Paris (Nr. 42), in der er das Fehlen jeglichen Gerechtigkeitsgefühls bei den Deutschen beklagt. Sehnt er eigentlich die Zeit zurück, in der sich die Deutschen gegenseitig die Schädel einschlugen, indes der Nachbar aus dem Westen im Trüben fischte, ungestraft die Grenze nach Osten verschob und Herr Mélac uns in der Pfalz seine Strategie der »Verbrannten Erde« vorexerzierte?
Bei der Klage über die Selbstsucht der Deutschen gleitet der Blick des Lesers zur links davon prangenden Karte des »Life«, auf der sich das egozentrische Denken des Westens in der Opferung Deutschlands als Vor- und Schlachtfeld kundtut ...
Nach der Affäre Adolf Hitler wäre es eigentlich an der Zeit, daß beide Völker den Schwamm über ihre bisherige Geschichte strichen und versuchten, angesichts einer sie beide bedrohenden Gefahr eine Politik der Eintracht zu beginnen. An Bereitschaft dazu fehlt es auf unserer Seite nicht! Es sind ja nur Schatten, die zu überspringen sind. Nur eingefahrene Formeln einer Politik, von denen man sich freimachen muß.
Düsseldorf
HEINZ-OLAF KÖSTER