Schaurige Bilanz - DER SPIEGEL
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Schaurige Bilanz

• aus DER SPIEGEL 35/1991
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die ersten Zahlen über die Opfer des deutschen Holocaust an den Juden stammen von den Tätern. Sie sind authentisch - was neonazistische Sympathisanten bis heute verdrehen oder gar leugnen wollen.

Im Sommer 1944 schrieb Schreibtischmörder Adolf Eichmann an Heinrich Himmler: »In den verschiedenen Vernichtungslagern sind etwa vier Millionen Juden getötet worden, während weitere zwei Millionen auf andere Weise den Tod fanden.«

Himmler war das noch nicht genug, wie Eichmann dem SS-Sturmbannführer Wilhelm Hoettl anvertraute; er beharrte darauf, »die Zahl der getöteten Juden« müsse »größer als sechs Millionen« sein.

Eichmann-Mitarbeiter Dieter Wisliceny, damals zuständig für die Massendeportationen aus der Slowakei, Griechenland und Ungarn, sagte im Januar 1946 im Nürnberger Prozeß aus, Eichmann habe immer von mindestens vier Millionen Opfern gesprochen, »manchmal nannte er sogar die Zahl von fünf Millionen«.

»Er würde lachend in die Grube springen«, äußerte Eichmann Ende Februar 1945 gegenüber Wisliceny, »denn das Gefühl, daß er fünf Millionen Menschen auf dem Gewissen hätte, wäre für ihn außerordentlich befriedigend.« Eichmann hat diesen Zitaten in seinem Jerusalemer Prozeß nicht widersprochen.

Jetzt werden die Zahlen der unmenschlichen Bürokraten in der äußerst akribischen, aber auch zurückhaltenden Studie »Dimension des Völkermords« wissenschaftlich bestätigt.

Die schaurige Bilanz: Mindestens »5,29 Millionen«, höchstens »knapp über sechs Millionen« Juden fielen dem Holocaust zum Opfer.

Die 17 Spezialisten, die an dieser von Wolfgang Benz herausgegebenen Studie mitgewirkt haben, präsentieren weit mehr als bloßes Zahlenwerk. Das wird die Clique von Neonazis und Antisemiten zwar nicht davon abbringen, ihre »Sechs-Millionen-Lüge« wie ihre »Auschwitz-Lüge« weiter zu kolportieren. Aber den Belehrbaren steht jetzt ein Standardwerk über den singulären Genozid zur Verfügung, dessen Ergebnisse nicht zu widerlegen sind.

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