Scheinproblem
(Nr. 35/1972, Biologen)
Der über ein Jahrhundert dauernde Streit zwischen Darwinismus und Lamarckismus ist nicht beendet. Keine der beiden Theorien ist imstande, das wichtigste Problem des Aufstiegs vom Bakteriam zum Menschen zu lösen. -- Der Artikel über Herrn Koestlers Buch: »Der Krötenküsser« veranlaßt mich, einige Worte daran zu knüpfen, da ich sicherlich einer der wenigen bin, der aus unmittelbarem Miterleben Tatsachen berichten kann, die den Betrug des Privatdozenten Kammerer deutlich machen. Herr Koestler betitelt Kammerer als Dr. habil., aber diesen Titel gab es damals nicht, sondern erst im Jahre 1934. Ich studierte an der Wiener Universität Zoologie und arbeitete im Jahre 1907 und 1908 an meiner Dissertation. Es war eine experimentalzoologische Arbeit über Regeneration und Transplantation bei Criodrilus, einem Verwandten des Regenwurms.
Die Geschichte mit der Geburtshelfer-Kröte, die angeblich die »erworbenen« Daumenschwielen vererbte, ist ein noch tollerer Betrug, und es wirft ein merkwürdiges Licht auf den Bericht des Herrn Koestler, der in seiner Erzählung das wahre Wort nicht findet und von dem ersten Betrug gar nichts weiß. -- Der Betrug Kammerers und Przibrams, der den Betrug decken wollte. wurde bald durchschaut: Kammerer hatte mit einer Injektionsspritze den Kröten Tusche in die Muskulatur des Daumenbackens eingespritzt, und die histologische Untersuchung ergab einwandfrei die darauf erfolgte Hypertrophie der Muskulatur und die Schwarzfärbung der Hautstelle. Alles andere ist Geschwätz, und es geht nicht an, daraus einen Kampf zwischen zwei biologischen Theorien, Darwinismus und Lamarckismus zu konstruieren. Den Bolschewiken aber war es sehr gelegen, in Kammerer eine künstliche Größe aus dem Westen zu berufen, da ihr biologischer Halbgott Lyssenko ebenfalls in höchst blamabler Weise Resultate auf botanischem und tierzüchterischem Gebiete jahrzehntelang gefälscht und der Unterstützung von einem ähnlichen »Forscher« bedurfte. So wurde die biologische Wissenschaft in Rußland um 20 oder 30 Jahre zurückgeworfen, und es fällt ein schlechtes Licht auf den Geist von Staaten, wo aus politischen Gründen Naturwissenschaft diese oder jene Ansicht auf Befehl verteidigen oder große Entdeckungen unterdrücken soll.
Kitzbübel (Österreich)
DR PROF LOTHAR GOTTLIEB TIRALA
Ist die Krötenfrage nicht ein Scheinproblem, das durchaus darwinistisch gelöst werden kann? Die in den Chromosomen aller Kröten vorhandene »Schwieleninformation« lag bei der Alytes latent vor und wurde durch den Reiz der Wasserpaarung wieder wirksam!
Göttingen FRIEDR. FLACHSBAST
»Das glitschige Weibchen« -- typische mannesmännliche Arroganz eines dürrtrockenen Frauenfeindes, das angstschweißige Alytesweibchen zynisch der Glitschigkeit zu bezichtigen. Dieses Begattungsthema hätte von einer Frau behandelt werden sollen!
Randersacker (Bayern) HERBERT HAAS