Scheitern an modrigen Mauern
Nr. 2/2000, Universitäten: Warum gibt es in Deutschland so wenig Professorinnen?
Besonders im Berufsleben wird es Frauen hoch angerechnet, wenn sie sich männliche Attribute zu Eigen machen. Doch wer hat je gehört, dass es als positives - geschweige denn als gesellschaftsfähiges - Bemühen angesehen wird, wenn ein Mann sein Verhaltens- und Empfindungsspektrum um weibliche Eigenschaften erweitert?
SPEYER (RHEINLD.-PFALZ) L. LENZ
Bei der Lektüre des Artikels bekommt man das Gefühl, für männliche Wissenschaftler sei es kinderleicht, eine C4-Professur zu ergattern. Doch an deutschen Universitäten trifft »Mann« auf reformfeindliche Professo-ren und deren Seilschaften, er braucht die richtigen Beziehungen, genau wie seine Kolleginnen. Es ist geradezu lächerlich zu behaupten, männlichen Wissenschaftlern wür-den Schlamperei und schlecht gehaltene Vorträge in ihrer Karriere nicht schaden. Auch vermisse ich den Hinweis, dass Frauen durch das Fehlen des Wehr-oder Zivildienstes in der Regel zwei Jahre jünger sind als Männer - ein Vorteil, da viele Stellen mit einer Altersgrenze ausgeschrieben werden.
AMSTERDAM SEBASTIAN ULBERT
Selbst bei vielen Alt-68ern hält sich anscheinend hartnäckig die Mär, dass Frauen, die heiraten, sofort Kinder bekommen und sich fürderhin hauptsächlich als Hausfrauen und Erzieherinnen betätigen. Eine Promotion oder Habilitation gegen einen Doktorvater zu schaffen, der einem keine Motivation mehr zutraut, ist extrem schwer. Ich bin zwar irgendwie immer noch stinksauer, auch an derart modrigen Mauern gescheitert zu sein, aber eins muss ich der geschmähten Wirtschaft lassen: Bei der jetzigen Marktlage gibt sich meine Firma alle Mühe, mir das Zusammenspiel von beruflicher und privater Zielorientierung - von Karriere und Kinderwunsch also - zu erleichtern. Ich weiß gar nicht so genau, ob ich da noch einmal zurück zu frustrierten Studenten, nervenaufreibenden Ressourcenkriegen und langatmigen Gremien-Grabenkämpfen wollte ...
QUICKBORN (SCHLESW.-HOLST.) IRINA BRUNS