ZUGUNGLÜCK Schlafende Schaffner
Nach dem Brand in einem Schlafwagen der Deutschen Bahn nahe der französischen Stadt Nancy, bei dem am Mittwoch vergangener Woche zwölf Fahrgäste starben, widersprechen Bahn-Mitarbeiter der Darstellung ihrer Geschäftsführung, wonach sich um jeden Schlafwagen zur Sicherheit stets ein Betreuer kümmere. Durch Personaleinsparungen, sagen Bedienstete, komme es seit Jahren immer wieder vor, dass ein Steward zwei Wagen betreuen müsse. Auch würden Kollegen, so ein Insider, der seit gut 20 Jahren Schlafwagendienst leistet, häufig verbotenerweise im Dienst schlafen. Statt im so genannten Schaffnerstuhl zu wachen, suchten sich manche ein leeres Abteil zur Nachtruhe. Einige schlössen gar die Tür ab, um ungestört zu bleiben. Wiederholt hätten Kollegen die Leitung der Schlafwagenbetreibergesellschaft vor den potenziellen Folgen von Personalmangel und Schlummer-Eskapaden gewarnt: etwa dass Feuer sich unbemerkt ausbreiten könne oder ein medizinischer Notfall zu spät erkannt werde. Bahn-Sprecher Achim Stauß erklärt dagegen, dass »immer ein Betreuer pro Schlafwagen« eingesetzt werde. Gebe es Hinweise auf »sicherheitsrelevantes Fehlverhalten«, habe das für die Kollegen Konsequenzen. Die Frage, wo genau sich der für den Unfallwaggon zuständige Betreuer zur Zeit der Katastrophe aufhielt, konnten französische Untersuchungsbeamte bis Ende vergangener Woche nicht klären.