Schlagartig umgekippt - DER SPIEGEL
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ÄGYPTEN Schlagartig umgekippt

• aus DER SPIEGEL 6/2006
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Nicht nur ein heftiger Sturm, sondern wahrscheinlich auch Konstruktionsfehler haben am Freitag zum Untergang der »Al Salam Boccaccio 98« im Roten Meer geführt. Die Fähre war mit mehr als 1400 Menschen an Bord gesunken. Rund 300 Überlebende konnten bis Freitagabend geborgen werden; stundenlang hatten sie in Rettungsbooten oder mit Schwimmwesten im tobenden Meer treibend auf Rettung warten müssen. Experten der ägyptischen Marine gehen davon aus, dass das Schiff eigentlich nur für rund 500 Passagiere ausgelegt war. Nachträglich seien Aufbauten montiert worden, so dass die Fähre zu hoch aus dem Wasser geragt habe. In schwerer See hätten sich wahrscheinlich schlecht vertäute Autos und Lastwagen losgerissen. Die abrupte Gewichtsverlagerung und der Sturm hätten das Schiff dann »schlagartig umgekippt« und in wenigen Minuten zum Sinken gebracht. Unklar war zunächst, warum die Hafenbehörden im saudi-arabischen Fährhafen Duba nicht unmittelbar nach Abbruch des Funkkontakts um Mitternacht die Seenotstationen alarmiert hatten. So ging wertvolle Zeit verloren. Das Unglücksschiff sei von der Reederei al-Salam Maritime Transport unter panamaischer Flagge geführt worden. So habe das Unternehmen ägyptische Vorschriften umgehen können, wonach eine Fähre nur 25 Jahre im Dienst sein darf. Die »Al Salam Boccaccio 98« wurde aber schon 1970 gebaut. Die Mehrzahl der Passagiere waren ägyptische und sudanesische Gastarbeiter und Mekkapilger, die in Duba für die Passage ins ägyptische Safaga an Bord gegangen waren. Da das Wrack jetzt in rund 700 Meter Tiefe liegt, rund 100 Kilometer vom Ferienort Hurghada entfernt, wird die genaue Rekonstruktion der Katastrophe vermutlich länger dauern.

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