GROSSBRITANNIEN Schlappe für Labour
Für Tony Blair sind die Zeiten des unangefochtenen und zunehmend arroganten Regierens gegen eine schwache Opposition vorbei - das ließen schon die antikapitalistischen Krawalle zum 1. Mai ahnen. Bei dem wichtigsten Urnengang vor den 2001 anstehenden Wahlen zum Unterhaus konnte die Labour Party am Donnerstag ihre Anhänger nicht ausreichend mobilisieren. Wenige Tage später bei der ersten Direktwahl eines Bürgermeisters für London demütigte der aus der Labour Party ausgeschlossene »Rote Ken« Livingstone, als Chaotenfreund geschmäht, seine einstigen Genossen und gewann mit 38 Prozent dreimal so viele Erststimmen wie der von Blair unterstützte Labour-Kandidat Frank Dobson. Außerhalb der Hauptstadt verlor die Partei des Premiers die Mehrheit in 18 Gemeinde- oder Stadträten. Doch auch die Konservativen, die 593 Sitze in Kommunalparlamenten hinzugewannen, konnten nicht rundum zufrieden sein, weil sich die Liberaldemokratische Partei überraschend stark zeigte. Da bei der Wahl zum Londoner Stadtrat nicht nur die Liberalen vier Sitze, sondern auch die Grünen drei Mandate erobern konnten, hat sich das traditionelle britische Zwei-Parteien-System weiter den Verhältnissen auf dem europäischen Festland angenähert. Blair und New Labour haben es künftig mit Opposition von links und rechts zu tun und müssen sich mit ihrem Intimfeind Livingstone arrangieren.