Schlechte Note - DER SPIEGEL
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Lehrer Schlechte Note

Ein Oberstudienrat und Rep-Funktionär im Rheinischen darf weiter unterrichten, obwohl ihm Schüler Volksverhetzung vorwerfen.
• aus DER SPIEGEL 40/1995
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Adolf Frerk ist ein sprachkundiger Mann. Am Liese-Meitner-Gymnasium im niederrheinischen Geldern unterrichtet der Oberstudienrat Latein, Französisch und Niederländisch. Mit dem Polnischen hat der polyglotte Pädagoge offenbar Probleme.

In seiner Klasse soll Frerk, in der Freizeit Vorsitzender des Ortsverbandes der Republikaner, vor Jahren einer polnischen Schülerin einen Text zum Übersetzen vorgelegt haben. Angeblich handelte es sich um die polnische Nationalhymne, tatsächlich mußte die Schülerin lesen: »Ihr deutschen Schweinehunde, für jeden, den wir von euch umbringen, wird Gott uns belohnen.« In den Augen der Klasse waren die Polen damit bloßgestellt.

Frerk, 58, tut den Vorgang heute als »frei erfunden« ab: »Das Mädchen hatte bei mir eine schlechte Note, dann passiert so etwas.« Doch für die Szene gibt es Zeugen, wie auch für andere rechtsextreme Umtriebe Frerks an der Schule. Schüler erzählten dem Journalisten Michael Heinricks, 27, davon. Heinricks berichtete in seiner Jugendzeitschrift Sag mal und erstattete Anzeige gegen Frerk wegen Volksverhetzung. Die Staatsanwaltschaft jedoch konnte »ein strafrechtlich verfolgbares Handeln« nicht feststellen.

Der Text, so Staatsanwalt Gert Schulte, spreche »den in Deutschland lebenden Polen nicht deren Daseinsberechtigung ab«. Frerk sei eine Kenntnis des Urtextes nicht nachzuweisen.

Auch sonst schonte die Justiz den Rep-Funktionär. Nach dem Auftritt eines polnischen Studentenchores im Liese-Meitner-Gymnasium soll Frerk Äußerungen getan haben, die etwa Monika Meurs, 24, eine ehemalige Frerk-Schülerin, »niemals vergessen kann«. Meurs: »Sinngemäß sagte Herr Frerk: ,Die sind doch nur gekommen, um uns die Füße zu lecken, die hätten wir auch besser vergast.'« Der Oberstudienrat bestreitet auch dies.

Als Michael Heinricks bei der Staatsanwaltschaft nachhakte, bekam er nach eigenen Angaben die Auskunft, »es gebe Schlimmeres als Lehrer, die kleinen ausländischen Mädchen schlimme Worte an den Kopf werfen«.

Eltern, die sich über Frerk beschwerten, so erinnert sich Monika Meurs, seien von der Schulleitung mit der Bemerkung abgespeist worden, jeder habe das Recht, sich politisch zu engagieren.

Die Bezirksregierung in Düsseldorf betreibt, eher lustlos, seit fast zwei Jahren ein Vorermittlungsverfahren wegen des Verdachts, der Lehrer habe gegen seine Dienstpflichten verstoßen.

Jetzt wurden die Ermittlungen um weitere Vorwürfe, diesmal von Frerk unbestritten, erweitert. So forderte der Pauker etwa vor einigen Monaten in einem offenen Brief an den NRW-Innenminister, die SPD wegen linksextremistischer Tendenzen vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. In einem Leserbrief an die Schülerzeitung des Gymnasiums versuchte er, Ausländer als kriminell zu entlarven.

Jetzt soll Druck von ganz oben, von der Schulministerin Gabriele Behler, das Verfahren beschleunigen.

Doch mit weit größerem Eifer verfolgt die Justiz den Frerk-Kritiker Heinricks, den Frerk wegen übler Nachrede verklagt hat. Der Journalist muß sich am 13. Oktober vor Gericht verantworten. Y

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