USA Schlechtes Gewissen
Mit einer Gesetzesinitiative wollen wichtige Senatoren aus beiden Parteien die Auslandshilfe in den nächsten fünf Jahren auf 45 Milliarden Dollar verdreifachen. Grund: Seit den Terroranschlägen regt sich das schlechte Gewissen der Parlamentarier, die in den vergangenen Jahrzehnten die im Land unbeliebte Hilfe für ärmere Länder auf 0,1 Prozent des Bruttosozialprodukts zusammengestrichen haben. Damit sind die USA, die nach dem Zweiten Weltkrieg fast 19 Prozent ihres Haushalts als Hilfe vor allem für das zerstörte Europa ausgaben, Schlusslicht unter den wichtigsten OECD-Länder. Lediglich Israel mit 4 Milliarden, Ägypten mit 2,1 Milliarden und Kolumbien mit 899 Millionen Dollar (jeweils inklusive Militärhilfe) werden noch einigermaßen großzügig bedacht. Das soll sich nun ändern. »Wir wären sicher nicht der Große Satan«, gibt der demokratische Senator Patrick Leahy zu bedenken, »wenn wir Kindern in armen Ländern den Schulbesuch oder die notwendigen Impfungen ermöglichen würden.« Auch Präsident George W. Bush, für den Auslandshilfe zu Anfang seiner Amtszeit keinerlei Priorität genoss, denkt inzwischen anders. Seit Beginn seines Anti-Terror-Feldzugs hat er für humanitäre Hilfe in Afghanistan und den Nachbarländern eine Milliarde Dollar veranschlagt.