AFFÄREN Schmähungen und Klagen
Der an Kuriositäten bislang schon nicht arme Kampf um die Macht über das österreichische Massenblatt »Kronen Zeitung« erfährt einen neuen Höhepunkt: Am Donnerstag lädt der Wiener Molden Verlag zur Vorstellung eines Buches über das Scharmützel zwischen dem Essener WAZ-Konzern und »Krone«-Miteigentümer Hans Dichand, die sich als jeweilige 50-Prozent-Eigentümer nun schon seit Monaten mit Schmähungen und Klagen überziehen. Aus seinen Motiven macht der 81-jährige Wiener Autor Günther Nenning keinen Hehl - schon der Untertitel des Werks »Eine 'Krone' bitte« appelliert: »Die 'Kronen Zeitung' muss österreichisch bleiben«. Es handle sich nicht um ein »Sachbuch«, sondern um eine »Provokation«, schreibt Nenning, nach eigenen Worten ein »170-prozentiger« Dichand-Freund. Als provokant dürften die Adressaten des etwas sprunghaft wirkenden Werkes vor allem eine Stelle empfinden: Dort erwähnt Nenning den Mafia-Vorwurf, den zuletzt Dichand-Sohn Michael im Zusammenhang mit WAZ-Aktivitäten auf dem Balkan erhob und gegen den die WAZ erfolgreich Unterlassungsverfügungen erwirkte - und spitzt ihn gar auf die Person des WAZ-Geschäftsführers Bodo Hombach zu. »Ist es denkbar«, schreibt Nenning, dass Hombach »als Balkan-Beauftragter der EU dort unten nicht auch seine Hochintelligenz und Schlauheit spielen ließ und irgendwie an die Mafia streifte«? Nur um aus »Sinn für Gutmütigkeit, inklusive Scheu vor dem Geklagtwerden« sofort anzufügen: »Nein, es ist nicht denkbar.« Hombach will das Buch »nicht durch Kommentare aufwerten« und verweist darauf, dass er sich als EU-Beauftragter massiv für die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität eingesetzt habe - etwa durch eine engere Zusammenarbeit der dortigen Polizei mit Europol.